Erklärung des una cum in der hl. Messe

Dom Prosper Guéranger OSB, Liturgiker

Erklärung der Katholische Messe

Erklärung des una cum im Kanon der heiligen Messe – Te igitur

„Te igitur, clementissime Pater, per Jesum Christum filium tuum Dominum nostrum supplices rogamus ac petimus. Wir bitten dich nun inniglich, o mildester Vater, durch Jesum Christum, deinen Sohn, unseren Herrn, und flehen dich an.“

Nach dem Sanctus breitet der Priester seine Hände aus und erhebt sie. Sodann faltet er sie, er blickt zum Himmel empor und schlägt alsbald die Augen wieder nieder. Dann tief gebeugt, die gefalteten Hände auf den Altar gestützt, spricht er: Te igitur, clementissime Pater. Diese Worte Te igitur knüpfen gleichsam ein Band zwischen Gott und dem Priester. Sie sagen, dass der Priester nur einen einzigen Gedanken hat, den des Opfers.

Jetzt also, da ich dir gehöre, so scheint er Gott zu sagen, – der Priester richtet, wie wir schon im Anfang gesehen, alle diese Gebete an den Vater – flehen wir dich im Namen dieses göttlichen Opfers an. Dann küsst er den Altar, um dieser Bitte einen noch innigeren Ausdruck zu geben, und fährt fort: „uti accepta habeas et benedicas, dass du annehmen und segnen wollest.“

Hier faltet er einen Moment wieder die Hände und schickt sich an, dreimal das Zeichen des Kreuzes über die dargebrachten Opfergaben zu machen. Dabei spricht er: „haec dona, haec munera, haec sancta sacrificia illibata, diese Gaben, diese Geschenke, diese heiligen unbefleckten Opfer.“

Dieses Brot und dieser Wein, welche Gaben dir dargeboten worden, sind wahrhaft rein; würdige dich, sie zu segnen und anzunehmen. Segne sie nicht in dem materiellen Sinne als Brot und Wein, sondern betrachte sie als den Leib und das Blut deines Sohnes, welche sie alsbald sein werden. Um gar keinen Zweifel an seiner Absicht aufkommen zu lassen, bezeichnet der Priester Brot und Wein mit dem Zeichen des Kreuzes.

Abermals breitet er nun die Hände aus und fährt fort: „in primis quae tibi offerimus pro Ecclesia tua sancta catholica, welche wir dir darbringen besonders für deine heilige katholische Kirche.“ Im Vordergrund jeglichen Interesses, wenn man die heilige Messe liest, steht immer die Kirche. Sie gilt viel bei Gott, und es berührt ihn unfehlbar, wenn man zu ihm von ihr spricht. „Quam pacificare, custodire, adunare et regere digneris tot orbe terrarum, damit du sie in Frieden erhalten, behüten, vereinigen und regieren wollest auf dem ganzen Erdkreis.“

Das Wort adunare zeigt uns hier die Absicht Gottes. Er will, dass seine Kirche Eine sei, wie er dies selbst in der Heiligen Schrift niedergelegt hat. „Eine ist meine Taube“ (Hohel. 6, 8) Auf diesen Gesichtspunkt eingehend, bitten wir nun, dass sie immer Eine bleibt. Denn es bedarf nur Einer Kirche. Ja, sie muss Eine sein.

In dem Vater unser hat Christus uns als das Erste bitten lassen: „geheiligt werde dein Name“, und lehrt uns damit, dass die Interessen und die Verherrlichung Gottes allem Übrigen vorgehen. Ebenso ist auch hier seine Herrlichkeit bezüglich seiner Kirche allem voran gesetzt: „in primis“. Und wir erflehen für sie den Frieden. Wir bitten, dass sie darin behütet werde, dass sei Eins sei, und wohl geleitet auf der ganzen Erde.

Darauf fügt der Priester bei: Una cum famulo tuo Papa nostro N. und antistite nostro N., und omnibus orthodoxis, atque catholicae und apostolicae fidei cultoribus. Zugleich mit deinem Diener, unserem heiligen Vater N. und unserem Bischof N. und allen Rechtgläubigen und Bekennern des katholischen und apostolischen Glaubens.“

Es ist also nicht Eine Messe denkbar, aus welcher nicht die ganze Heilige Kirche Nutzen zöge. Alle ihre Glieder nehmen daran teil, und an dieser Stelle wird dieses, indem man sie einzeln aufführt, hervorgehoben. Zuerst wird der Statthalter Jesu Christi auf Erden genannt, und zwar mit Namen; dabei neigt man das Haupt, um Jesus Christus in der Person seines Stellvertreters die schuldige Ehrfurcht zu bezeugen.

Die Kirche betet nicht für diejenigen, die nicht ihren Glauben von den Aposteln herleiten

Ist der Heilige Stuhl unbesetzt, so wird diese Stelle weggelassen. Liest der Papst selbst die Messe, so heißt es statt der im Missale angeführten Worte: Et me indigno servo tuo, und mir deinem unwürdigen Knecht. Das Gleiche tut der Bischof für sich; denn nach dem Papst wird auch der Bischof, innerhalb dessen Diözese die Messe gelesen wird, genannt.

Überall soll die ganze heilige Kirche repräsentiert sein. In Rom tut man des Bischofs keine Erwähnung, weil der Papst zugleich Bischof von Rom ist. Damit aber auch schließlich die Glieder der Kirche ohne irgendwelche Ausnahme erwähnt seien, heißt es: mit allen Gläubigen, cultoribus; damit bezeichnet man alle treuen Beobachter des Glaubens der heiligen Kirche.

Denn es ist erforderlich, in diesem Glauben zu sein, um in der Zahl derer, welche die heilige Kirche erwähnt, begriffen zu werden. Man muss rechtgläubig, orthodox sein. Darum fügt auch die Kirche bei omnibus orthodoxis, rechtgläubig und den von den Aposteln stammenden katholischen Glauben bekennend. Indem die katholische Kirche hervorhebt: omnibus orthodoxis atque catholicae et apostilocae fidei cultoribus, zeigt sie uns ganz genau, dass sie an dieser Stelle für solche, welche den Glauben nicht haben, die sich weder in gutem noch in richtigem Glauben befinden, die ihren Glauben nicht von den Aposteln herleiten, nicht betet.

Satan wird alle Mittel einsetzen, das Opfer der Messe auszulöschen

Aus diesen von der heiligen Kirche angewendeten Ausdrücken erhellt, wie sehr verschieden die heilige Messe von irgendeiner Privatandacht ist. Sie geht allen andern vor, und ihre Intentionen müssen respektiert werden.

Die Heilige Kirche beruft alle ihre Glieder zur Teilnahme an dem großen Opfer; und wenn es möglich wäre, dass das Messopfer einmal zu Ende ginge, dass es der Flamme gleich, die keine Nahrung mehr findet, erlösche, dann würden wir sofort aufs Neue in jenen unwürdigen Zustand zurücksinken, in welchem sich die mit dem Götzendienst befleckten Völker befanden. Darauf wird auch das Streben des Antichrist gerichtet sein: Er wird alle Mittel anwenden, um die Darbringung des heiligen Messopfers zu verhindern, damit dies mächtige Gegengewicht gegen seine Herrschaft in Wegfall komme  und Gott die Schöpfung vernichte; denn es ist dann kein Grund mehr vorhanden, dieselbe bestehen zu lassen.

Wir erfahren diese Tatsache seit dem Bestehen des Protestantismus, der die Messe abgeschafft hat. Seit dieser Zeit hat die Kraft im Schoß der Gesellschaften eine bedeutende Abnahme erlitten. Ein gesellschaftlicher Kampf hat sich erhoben, der trostlose Zustände im Gefolge hat, und dessen letzte Wurzel darin zu suchen ist, dass das heilige Messopfer nicht mehr in der gleichen Ausdehnung dargebracht wird.

Das ist der Anfang dessen, was geschehen wird, wenn der über die ganze Erde entfesselte Teufel und seine Anhänger Verwirrung und Trostlosigkeit verbreiten: wie dies Daniel vorher verkündigt hat. Es wird die Weihen verhindern, die Priester aussterben lassen, und so der Darbringung des großen Opfers immer enge Grenzen ziehen. Dann aber kommen die Tage des Unglücks.

Die Heilige Messe ist auch ein Ereignis für Gott

Wir brauchen uns darüber nicht zu wundern; denn die heilige Messe ist vor Gott ein Ereignis gerade wie für uns. Dieses Ereignis zielt unmittelbar auf seine Verherrlichung. Er kann darum das Gehör nicht verschließen, wie das ja vorkommen kann, wenn wir privatim ein Gebet an ihn richten. Er muss der heiligen Messe eine besondere Aufmerksamkeit widmen; denn seine Herrlichkeit ist dabei interessiert; sein Sohn selbst, das ewige Wort, Jesus Christus, bietet sich ihm als Opfer dar und bittet für uns seinen Vater.

So müssen wir allzeit drei Dinge in der heiligen Eucharistie wohl erwägen: zuerst das Opfer, welches zur Verherrlichung Gottes dient, sodann das Sakrament, welches die Nahrung unserer Seelen bildet, und endlich drittens den Besitz unseres Herrn, den wir darin anbeten können, und welcher den Trost in unserem Exil ausmacht. Der einfache Besitz unseres Herrn, der uns seine Anbetung erleichtert, ist ein minderes Gut, als das Sakrament oder die Kommunion, und diese hinwiederum ist minder als das Opfer; denn es handelt sich bei derselben, immer nur um uns; aber da diese drei Dinge sich vereinigt finden, so ist das Ganze vollständig; und was Christus bei der Einsetzung der Eucharistie gewollt hat, das findet sich verwirklicht.

Wenn er uns nur die Macht verliehen, den mitten unter uns gegenwärtigen Herrn anzubeten, so wäre das zweifelsohne schon viel gegeben; un d immerhin erhebt das eigentliche Opfer sich noch hoch über diese beiden Wohltaten. Denn durch das Opfer vermögen wir auf Gott selbst einzuwirken; Gott kann sich dagegen nicht gleichgültig verhalten; denn sonst würde er die Hand an seine eigene Herrlichkeit legen. Und da Gott alles zu seiner Herrlichkeit geschaffen, so ist es – mag sein Verhalten dem Privatgebet gegenüber sein, wie es will – unmöglich, dem heiligen Messopfer nicht eine besondere Aufmerksamkeit zu widmen.

Es muss das, was gefordert wird, in der einen oder anderen Form gewähren. SO findet keine Messe statt, ohne dass die vier Zwecke dieses großen Opfers erfüllt wurden: Anbetung, Danksagung, Genugtuung und Erhörung. Denn zu dem letzteren hat Gott sich verpflichtet. Als uns Christus die Worte beten lehrte: „Geheiligt werde dein Name“, da war das nichts Geringes, diese Bitte muss die Herrlichkeit Gottes schon in Mitleidenschaft ziehen. Aber in der heiligen Messe haben wir noch viel mehr.

Wir können in derselben zu Gott sagen, dass es für ihn unmöglich sei, dieses Opfer nicht wohlgefällig anzuschauen, denn Jesus Christus bringt sich in demselben dar; dass er sich der Gewährung nicht entschlagen kann, denn Jesus Christus ist es, der bittet.

Ehedem setzte man im Kanon hinter den Namen des Bischofs auch den des Königs „Et Rege nostro N. Und unserem König N.“ Seitdem der heilige Pius V. Das heute im Gebrauch befindliche Missale verfasste, ist dieser Zusatz in Wegfall gekommen. Zu dieser Entscheidung wurde der heilige Papst durch die Glaubensverschiedenheit gedrängt,die seit der sogenannten Reformation unter den Fürsten herrschte. Es bedarf jetzt einer besonderen Erlaubnis von Rom aus, um hier den König zu erwähnen.

Spanien verlangte dieselbe unter Philipp II. und erhielt sie auch. In Frankreich hatten die Parlamente von Toulouse und Paris den druck des Missale verbieten lassen, weil diese Erwähnung des Königs in Wegfall gekommen war. 1855 verlangte Napoleon III. Die päpstliche Autorisation, im Kanon genannt zu werden, und erhielt dieselbe ebenfalls.

Das erste Gebet des Kanons hat weder eine Schlussformel noch ein Amen. Das Gleiche ist bei dem zweiten der Fall. –
aus: Dom Prosper Gueranger, Erklärung der Gebete und Zeremonien der heiligen Messe, 1884, S. 128 – S. 137

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Bildquellen

  • dom-prosper-gueranger: © https://wahrerglaube.info
Gott gebraucht jeden auf andere Weise
Gnaden für die streitende Kirche

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