Jesu letzter Wille Katholische Heidenmission

Jesu letzter Wille: Zwei afrikanische Kinder suchen Jesus

I. Stiftung der katholische Heidenmission

1. Jesu letzter Wille Katholische Heidenmission

Gehet hin und lehret alle Völker und taufet sie!“ So sprach Jesus; dann fuhr er zum Himmel auf. Matthäus schließt damit sein Evangelium.

Wir habe hier das letzte Wort Jesu Christi vor uns. Am Schluss des heiligen Evangeliums stehend, tönt es noch in unseren Ohren, klingt es nach in unseren Herzen, wenn wir das heilige Buch bereits geschlossen haben. Wir können es nicht überhören, dürfen und wollen es nie vergessen.

Jesu letztes Wort muss uns von größter Bedeutung sein. Wohl ist alles, was er gesprochen hat, wichtig und heilig für uns. Aber Ehrfurcht und Liebe drängen dazu, seine letzten Worte uns tiefer ins Herz zu schreiben. Mit welcher Pietät bewahren wir nicht die letzten Laute aus teurem Munde! Wie oft kommen nicht die Abschiedsworte unserer teuren Toten auf unsere Lippen! Wir betrachten sie als ein kostbares Kleinod und hüten sie vor Vergessenheit. Sie erscheinen uns wie etwas Heiliges und Unverletzliches. Wir halten sie in Ehren und wachen über ihre treue Erfüllung. Gleichgültigkeit dagegen gilt als Rohheit, ihre Verletzung als eine Art Sakrileg.

Wenn nun schon die letzten Worte und Bestimmungen geliebter Menschen so teuer sind, in wieviel höherem Maße wird dieses gelten von den Scheideworten dessen, der uns mehr als Vater und Mutter sein muss!

Des Meisters Testament

Es ist in den letzten Erdentagen Jesu. Bald wird er zum Vater gehen. Schon hat er es den Jüngern gesagt: „Nur noch eine kleine Weile, und ihr werdet mich nicht mehr sehen!“ – Sie wissen es: bald wird er von ihnen Abschied nehmen. Dann wird sein heiliges Auge, aus dem Gottes Güte und Himmelsfriede strahlt, nicht mehr sichtbar auf ihnen ruhen; sie werden seine wundertätige Stimme, die Tote auferweckt, Sünder zu Gotteskindern macht, göttliche Wahrheit und Ewigkeitsglück allen verkündet, die da guten Willens sind, nicht mehr hören. Seine traute Nähe, sein heiliger Umgang, sein kostbarer, trostreicher Schutz wird ihnen entzogen werden.

Dann werden sie allein stehen in dieser Welt, die Jesus bis in den Tod gehasst und sie um seinetwillen hassen wird. Abschiedsweh und -kummer durchzittert die Herzen der Jünger.

So gestimmt sind sie, da der Meister sie zum „Berg der Seligkeiten“ nach Galiläa beschied. Darauf wird er sie zum Ölberg führen und vor ihren Augen zum Himmel fahren.

Nun hat er sie um sich versammelt auf dem Hügel bei Genezareth. Das ist die kleine betreue Schar, die er im Glauben gestärkt und durch die Liebe unzertrennlich mit sich verbunden hat. Wenn seine Allwissenheit ihm ihre Gedanken nicht enthüllte, er würde aus ihren Augen die Stimmung ihrer Herzen herauslesen können. In der Abschiedsstunde fallen alle Riegel, und die Liebe tritt hervor aus ihren Toren.

Die Jünger richten erwartungsvoll ihre Blicke auf den göttlichen Meister. Niemals waren sie so empfänglich, Jesu Lehre aufzunehmen, wie in dieser Stunde. Ihre Herzen stehen offen wie Reliquienschreine, um die Abschiedsworte des herrn sicher und unverlierbar darin zu bergen.

Was aber wird der Heiland ihnen noch sagen? Die Gedanken drängen sich in seinem liebenden Herzen; nur der wichtigste und dringendste wird in diesem weihevollen und kostbaren Augenblick hervortreten dürfen. Er wird ein Wort sprechen, so inhaltsschwer, wie nur sein göttlicher Mund es sprechen kann, das sein irdisches Leben und seine Lebenszwecke würdig abschließt, für die Jünger aber, als Erben seines Reiches, ein Gesinnungs- und Arbeitsprogramm sein und bleiben wird.

Da hebt er seine Hand empor: „Mir ist alle Gewalt gegeben im Himmel und auf Erden. Darum gehet hin und lehret alle Völker und taufet sie im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehret sie alles halten, was ich euch befohlen habe; und siehe, ich bin bei euch bis ans Ende der Welt!“ (Mt. 28, 18-20)

Mit überwältigender Zuversicht und Majestät gesprochen, empfangen diese Worte eine volle Besiegelung ihres göttlichen Ursprungs durch das nachfolgende große Wunder der sichtbaren Himmelfahrt des Herrn. Die Jünger sind Zeugen dieses göttlichen Schauspiels, und während sie dem scheidenden Meister unverwandten Blickes nachschauen, ergreift und durchschauert sie die Überzeugung, dass derjenige, der dort aus eigener Kraft über alle Welt empor gen Himmel schwebt, die Macht und das Recht hat, zu ihnen zu sprechen: Mit ist alle Gewalt gegeben im Himmel und auf Erden. Darum gehet hin und lehret alle Völker und taufet sie!“

Dieses Wort aus solchem Mund und unter solchen Umständen gesprochen und als letztwillige Verfügung hinterlassen, wie tief musste es sich den Herzen der Jünger einprägen! Selbst auf uns, die wir nicht so glücklich sind, diese erhabenen Scheideworte Jesu unter den ergreifenden Himmelfahrts-Ereignissen auf uns einwirken zu lassen, machen sie doch den Eindruck göttlicher Größe, sobald wir sie in ihrer Tragweite zu verstehen suchen.

Eröffnung des Testamentes Jesu

Wir haben hier Jesu letzte irdische Worte. Sie offenbaren uns seinen letzten Willen. Pietät und Pflicht drängen uns, sie recht zu verstehen und lebhaft in Erinnerung zu bewahren.

„Mir ist alle Gewalt gegeben im Himmel und auf Erden!“ Ein großartiger Ausspruch! In den Erlassen der Kaiser und Könige dieser Erde finden wir prunkende Redensarten in Fülle, womit sie ihre Obergewalt und die Wucht ihrer Autorität zum Bewusstsein bringen wollen. Jedoch keiner von ihnen hat bei aller Selbsterhebung es ja gewagt, so zu sprechen, wie Christus gesprochen hat: „Mir ist alle Gewalt gegeben im Himmel und auf Erden!“ In jedem anderen Mund wäre dieses Wort eine Lächerlichkeit, bei dem armen Jesus von Nazareth finden wir es natürlich, und selbstverständlich.

Niemand wird ihm solche Rede als Hochmut und Selbstüberschätzung auslegen. Die hohe Reinheit und sittliche Größe seiner schönen Seele lässt eine solche Vermutung nicht aufkommen. Es passt dieses großartige Wort so ganz zu dem alles besiegenden Eindruck seiner Erscheinung. Wir sind bis in das Innerste von Verstand und Herz davon durchdrungen: Jesus hat ein Recht, so zu sprechen.

Einst hatte sein Vater ihm zugesichert: „Fordere von mir, und ich will Dir geben die Nationen zum Erbe und die Enden der Welt zum Eigentum.“ (Ps. 2, 8) Jesus stellte diese Forderung auch tatsächlich am Abend seines Lebens, als er sprach: „Vater, verherrliche mich nun bei Dir selbst mit jener Herrlichkeit, die ich bei Dir hatte, ehe die Welt war.“ (Joh. 17, 5) Diese Bitte, auch in seiner heiligen Menschheit mit göttlicher Majestät umkleidet zu werden, wurde erfüllt, indem der Vater ihm einen Namen gab, der über alle Namen ist, so dass im Namen Jesu sich beugen die Knie derer, die im Himmel, auf der Erde und unter der Erde sind. (Phil. 2, 9 u. 10)

Und so steht er da, der glorreich auferstandene und verklärte Gottessohn, und erinnert die Schar zu seinen Füßen an die ganze Größe seiner göttlichen Autorität: „Mir ist alle Gewalt gegeben im Himmel und auf Erden!“ Dies erhabene Wort drängt die göttlichen Ereignisse, deren Zeugen die Jünger seit drei Jahren gewesen sind, zu einem einzigen, wuchtigen Argument zusammen, das mit unwiderstehlicher Überzeugungsmacht auf sie einwirkt.

Sie erkennen in dieser Stunde klarer als je zuvor in Jesus ihren göttlichen Meister, dem die Engel dienen, vor dem die bösen Geister erzittern, der dem Tode gebietet und ihm seine Opfer von der Leichenbahre und vom Kreuzesstamm entrissen hat, dem die Winde und das Meer gehorchten. Und die Jünger neigen sich in freudiger Demut und willigem Gehorsam vor diesem göttlichen König, um seinen letzten Willen und ihre Lebensaufgabe aus seinem Mund zu vernehmen. Ihm ist ja alle Gewalt gegeben; darum – so fährt der göttliche Gebieter fort – „gehet hin und lehret alle Völker und taufet sie und lehret sie alles halten, was ich euch befohlen habe.“

Darum, d. h. zufolge seiner unumschränkten Machtfülle und seines unumschränkten Machtgebietes. Es stützt sich Christus bei dieser Aussendung seiner Apostel mit einer ungewöhnlichen Entschiedenheit und einem bemerkenswerten Nachdruck auf seine göttliche Autorität. Diese Berufung auf seine Autorität: „Mir ist alle Gewalt gegeben“, erinnert lebhaft an jenes Wort auf Sinai: „Ich bin der Herr, dein Gott“, mit dem es nach Inhalt und Absicht so sehr übereinstimmt.

Darum, weil ihm alle Gewalt gegeben ist, verfügt er über freie Menschen, ruft und sendet sie, wohin er will. Alles ist sein Eigentum; ihm muss alles dienen.

Darum nimmt er für sich alle Völker des Erdkreises in Anspruch und verlangt, dass alle durch Lehre und Taufe in sein Reich eingeführt werden.

Darum kann er es wagen, ein solches Riesenwerk zu unternehmen und Arbeitskräfte für dasselbe zu dingen und sie auszusenden, weil er Gewalt, Macht und Mittel hat, seinen Willen auch zu verwirklichen.

Dieses „Darum“ als Hinweis auf die göttliche Herrschermacht Jesu hat mithin für die Jünger eine zweifache große Bedeutung: es verpflichtet sie zum unbedingten, treuesten Gehorsam, sichert ihnen aber auch unwiderstehlichen Erfolg. Pflichtbewusstsein und heiligen Siegesmut gießt der Meister damit als nie erlöschendes Feuer für ihren Eifer in die Herzen seiner Sendlinge.

„Gehet hin!“ spricht er weiter ohne jede nähere Angabe der Richtung und des Ortes. Zwei Worte nur, aber aus göttlichem Mund, bergen sie göttlichen Inhalt. Fragen wir den göttlichen Auftraggeber, welches der Sinn und die Absicht derselben sei. Sage Du uns, Meister wohin sollen wir denn gehen? „Gehet hin!“ Gehet von Hütte zu Hütte, von Stadt zu Stadt, von Land zu Land, von Gestade zu Gestade. Durchwandert alle Gegenden, alle Völker, alle Nationen! „Gehet hin!“ Ich setze euch keine Grenzen, keine Ziele; „gehet hin in die ganze Welt!“ (Mk. 16, 15)

Die Nationen sind mein Erbe und die Enden der Welt mein Eigentum. „Mir ist alle Gewalt gegeben im Himmel und auf Erden.“ Ich lege meine Hände auf die beiden Pole des Erdkreises: das ist mein Reich, in dieses sende ich euch. – „Gehet hin!“ Wartet nicht, bis die Völker zu euch kommen, sondern gehet ihr zu ihnen! Suchet sie auf, wie auch ich zu euch gekommen bin, „zu suchen und selig zu machen, was verloren war“.

Und lehret alle Völker! Wiederum dieselbe Universalität, die in gleicher Weise eine Offenbarung seiner göttlichen Allgewalt und seines allumfassenden göttlichen Heilswillens ist. „Da ist weder Jude noch Grieche, da ist weder Sklave noch Freier, da ist weder Mann noch Weib“ (Gal. 3, 28) ausgenommen. An alle sendet Christus seine Boten als Völkerlehrer, und „über die ganze Erde geht aus ihr Schall und bis an die Enden des Erdkreises ihr Wort“. (Röm. 10, 18)

„Lehret alle Völker!“ Alle? Aber was für eine Lehre muss das sein, die sich in allen Zungen verkünden lässt, die jeder Fassungskraft angemessen ist, die alle nationalen Eigenheiten überwinden oder mit sich veredeln soll, die alle Geister interessieren, erobern und einen wird? Göttlicher Meister, sage Du uns, was wir alle Völker lehren sollen!

„Gehet hin und verkündet, was ihr gesehen und gehört habt: Blinde sehen, Lahme gehen, Aussätzige werden gereinigt, Taube hören, Tote stehen auf, Armen wird das Evangelium gepredigt, und selig ist, wer sich an mir nicht ärgert!“ (Mt. 11, 4-6) „Selig sind die Armen im Geiste, selig sind die Sanftmütigen, selig sind die Trauernden, selig sind, die Hunger und Durst haben nach der Gerechtigkeit, selig sind die Barmherzigen, selig sind, die ein reines Herz haben; selig sind die Friedsamen, selig sind, die Verfolgung leiden: Freuet euch, euer Lohn ist groß im Himmel!“

Dies lehret alle Völker und „lehret sie alles halten, was ich geboten habe!“ Erzählet ihnen von meinem Leben, meinen Worten, meinen Werken, meinen Wunden, meinem Tode, meiner Liebe! Ach ja, saget ihnen, dass ich sie liebe, unendlich liebe, und in dieser Liebe mein Herzblut für sie hingegeben habe, damit alle, die an mich glauben, nicht verloren gehen, sondern das ewige Leben haben. (Joh. 3, 15)

Das ist die Sprache des göttlichen Völkerlehrers; allerdings eine neue Sprache, die bis dahin unbekannt war auf dieser Erde, die aber sicher verstanden wird von allen, die guten Willens sind. Mit dieser herzerobernden Lehre will Jesus nun in seiner Menschenfreundlichkeit in allen Weltteilen und zu allen Zeiten mit ausgebreiteten Armen vor die Völker der Erde hintreten und ihnen zurufen: „Kommet alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seid, und ich will euch erquicken!“ (Mt. 11, 28) Deshalb sucht er sich Boten aus und spricht zu ihnen: „Gehet hin und lehret alle Völker!“

„Und taufet sie im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.“ Johannes, der gewaltige Vorläufer des Messias, hatte diesen angekündigt als jenen, der nicht nur mit Wasser, sondern mit dem Heiligen Geist taufen werde. Das Recht und die Pflicht, diese Geistestaufe an der gesamten Menschheit zu vollziehen, überträgt Christus mit obigen Worten auf seine Jünger und deren Nachfolger. Sie sollen die ganze Welt, alle Völker mit dem Geiste Christi taufen, d. h. sie zu neuen Menschen machen, sie heiligen und weihen zu Anbetern des einzig wahren, dreipersönlichen Gottes.

Durch die Lehre sollen alle zu Schülern Christi gemacht werden, durch die Taufe aber zu Geistesverwandten, sollen sie als seine Reichsangehörigen wiedergeboren werden. Er legt damit seinen Glaubensboten ein göttliches Siegel in die Hand und beauftragt sie, es allen Völkern und jedem Menschen unauslöschlich aufzudrücken und sie dadurch als seine Brüder, als Gotteskinder und als unveräußerliches Eigentum der heiligsten Dreifaltigkeit zu kennzeichnen. Die Taufe soll das Zeichen des vollendeten Sieges sein, den Christus für die einzelne Seele gekämpft hat; sie bedeutet in jeder einzelnen Spendung nichts weniger als die tatsächliche göttliche Besitzergreifung eines neuen Gebietes im Reich Gottes auf dieser Erde.

Groß wie die Allmacht seiner Gottheit und wie die Liebe seines Herzens ist der Plan den Christus in der Welt verwirklichen will. Menschen bezwingen und in Abhängigkeit bringen konnten manche Eroberer vor ihm und nach ihm; aber alle Geister zu überzeugen und alle Herzen zu gewinnen, hat keiner je geplant, viel weniger es versucht. Das ist kein königlicher Plan, das ist ein göttlicher. Und die Ausführung dieses Planes legt er auf die Schultern seiner Jünger. Sie werden vor seiner Größe zurückbeben? – Jesus weiß es – darum noch ein Wort für sie; ein Wort, so reich an Eifer und Kraft, an Mut und Trost.

Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis ans Ende der Welt

In der Tat! Durch nichts hätte Christus seinen Jüngern sein lebhaftes Interesse an der Ausführung seines Sendungsgebotes besser bekunden können als durch diese Versicherung; gerade dadurch erscheint das Werk der Weltbekehrung so recht als seine Herzenssache.

Er bleibt bei der Ausführung zugegen. Diese Angelegenheit seines Reiches ist zu wichtig; er will sie selbst überwachen. Seine Boten und alle, die er zur Mitarbeit an diesem Werk berufen wird, sollen mit dem Bewusstsein, dass sie in der Gegenwart und unter den Augen des göttlichen Meisters tätig sind, das Feuer ihres Eifers entfachen. Seine Nähe wird ihre Gewissenhaftigkeit steigern, ihre Anstrengungen verdoppeln, ihr Interesse stets wachhalten. Was das Auge eines Herrn an Opferwilligkeit bei seinen Dienern, was der Blick des Feldherrn an Wagemut bei seinen Soldaten hervorlockt, das und unendlich mehr muss das Bleiben Jesu bei den Verkündern seines heiligen Evangeliums bewirken.

„Siehe, ich bin bei euch!“ Dies Wort muss mit feuriger Liebe und Begeisterung für das Missionswerk erfüllen. Offenbar! Es ist ja Jesu Lieblingsplan, seine Herzenssache, sein letztes Gebot. Was tut man nicht, um die Wünsche geliebter Personen zu erfüllen! Und die Apostel, wie glühten sie für ihren Meister! Wie ergreifend schön klingt die Liebesversicherung, die einer für alle gibt: „Herr, Du weißt alles, Du weißt auch, dass ich Dich liebe.“ (Joh. 21, 17) Und wiederum: „Herr, ich bin bereit, mit Dir in der Kerker und Tod zu gehen.“ (Lk. 22, 33) In Kerker und Tod?

Das noch nicht; später! – Aber jetzt: „Gehet in die ganze Welt und lehret alle Völker und taufet sie!“ Wird die Liebe, die mit Kerker und Tod rechnet, nicht bereit sein, freudig bis an die Grenzen des Erdkreises zu wandern? – Aber sie ist zu schwach. O nein!

„Siehe, ich bin bei euch!“ Das ist eine Quelle nie versiegender Kraft. Damit setzt der Herr seine Allmacht als Unterpfand des Erfolges ein. Er selbst wird die Wege ebnen, alle Schwierigkeiten überwinden, alle Feinde besiegen, alle Mittel spenden, Kraft zur Arbeit, zum Leiden, zum Sterben geben, so dass der Verkünder des Evangeliums im Bewusstsein himmlischer Kraftfülle ausrufen darf: „Ich kann alles in dem, der mich stärkt!“ (Phil. 4, 13) Ist die Aufgabe auch riesengroß, die göttliche Macht ist größer, und der starke Arm des Herrn wird sieghaft das Werk der Weltbekehrung zur Vollendung führen, denn: Siehe, ich bin bei euch alle Tage bsi ans Ende der Welt.“

So gehe denn hin und lehre alle Völker, du glückliche Apostelschar, denn: „Der Herr ist mit dir!“ Magst du mit den Stürmen des Meeres kämpfen, glühende Wüsten durchwandern, in grausige Wildnisse eindringen: fürchte dich nicht! Der Herr ist mit dir! Mögen die Feinde Christi dich hassen und verfolgen; mögen unwissende oder falsche Freunde und Brüder deinen Eifer verhöhnen und dich hilflos und teilnahmslos lassen: entmutige nicht! Der Herr ist mit dir!

Mag dein Apostolat unter den rohen Naturvölkern noch so dornenvoll sein; mögen unsägliche Entbehrungen Körper- und Seelenleiden wie schwarze Fluten über dir zusammenschlagen, einen Trost kann nichts dir rauben: Der Herr ist mit Dir! Und wenn auch Kreuz und Evangelium der sterbensmüden Hand entsinken: Vertrauet! Der Herr, der Welt und Tod überwunden hat, bleibt bei dem Missionswerk und wird es auch über eure Gräber hinweg zum endgültigen Sieg führen!

Ein schöner Schlussakkord

Das also ist Jesu letzter Wille: eine große Offenbarung seiner liebevollen Besorgnis für das Heil der Welt. Fürwahr, ein herrlicher Schlussakkord seines schönen irdischen Lebens, der in vollster Harmonie steht mit den menschenfreundlichen Motiven, Regungen und Stimmungen, von denen er in seiner ganzen Erdenzeit getragen wurde. Es ist, als ob seine wundertätige Hand noch einmal hineingriffe in die Saiten seiner Seelenharfe, um zum Abschied noch einmal all das glühende Lieben und Heilsverlangen für die Menschheit, von dem sein göttliches Herz stets durchzittert war, ergreifend zum Ausdruck zu bringen, damit es durch alle Zeiten wirksam fortklinge und widerhalle in den Herzen seiner Glaubensboten und eine ähnliche warme Teilnahme, einen ähnlichen kraftvollen Seeleneifer wecke.

In der Abschiedsstunde überschaut der Herr noch einmal mit seinem Erlöserauge die Menschheit aller Welten und aller Zeiten, und da flammt sein allumfassender Heilswille noch einmal hell auf und findet in seinen letzten Worten eine so entschiedene und neue Bestätigung. Wir haben darin wirkungsvoll ausgedrückt das göttliche Programm, dem seine Menschwerdung, seine Lebensarbeit und sein Opfertod dienen sollte: die Rettung der ganzen Menschheit das Heil der ganzen Welt. Das war seine große Mission, die er vom Vater bekommen hatte; „Gott hat seinen eingebornen Sohn in diese Welt gesandt … damit die Welt durch ihn selig werde.“ (Joh. 3, 16. 17)

Diese alle Menschen umfassende Heilsabsicht des Vaters war aber nicht bloß theoretisch, sondern praktisch, und ihre Verwirklichung wurde eingeleitet durch die Sendung seines eingebornen Sohnes. Von dieser seiner Lebensaufgabe war der göttliche Erlöser so sehr durchdrungen, dass er die Erfüllung des väterlichen Willens seine Speise nannte. Dieser ernstliche, bestimmte Wille des Vaters, „dass alle Menschen selig werden und zur Erkenntnis der Wahrheit gelangen“ (1. Tim. 2, 4), beschäftigte den Heiland von der Krippe bis zum Kreuz und auch darüber hinaus.

Selbst in seiner Abschiedsstunde hat er keinen wichtigeren, dringenderen Gedanken als diesen. Allen Menschen soll der himmlische Wahrheitsschatz angeboten und verkündet werden, den er hernieder gebracht; allen die unentbehrlichen Heilsgüter vermittelt werden, die er am Kreuz erworben hat.

Dazu nun hat er seine Jünger auserlesen. Gewiss: er hatte es ihnen schon gesagt, dass dies ihre Aufgabe sei; hatte, um ihren Beruf anzudeuten, sie von Anfang an Apostel, d. h. „Sendboten“, geheißen; er hatte schon zu ihnen gesprochen: „Ihr seid das Salz der Erde; ihr seid das Licht der Welt; weidet meine Lämmer, weidet meine Schafe.“ Aber er kann doch nicht scheiden, ohne ihnen dies Anliegen noch einmal recht eindringlich ans Herz gelegt zu haben, damit sie es nie vergessen. Darum spricht er:

„Gehet hin und lehret alle Völker und taufet sie im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehret sie alles halten, was ich euch befohlen habe.“

Das ist Jesu letzter Wille. Kann die Vollstreckung dieses göttlichen Testamentes wohl zu ernst genommen werden? –

aus: P. Hermann Fischer SVD, Jesu letzter Wille, 1923, S. 1- S. 11

Bildquellen

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