Wie die Verfolger der Kirche sterben

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Die Feinde der Kirche

Viertes Kapitel

Wie die Verfolger der Kirche sterben

Manchem mag es als eine nutzlose Mühe erscheinen, hier von dem elenden Ende zu sprechen, das die Verfolger der Kirche gewöhnlich ereilt. Wer sich schuldig macht, Christus in seinen Gliedern zu verfolgen oder seine Religion zu zerstören zu suchen, ist in der Regel gegen alle Warnungen taub. „Filii tenebrarum“ (Kinder der Finsternis), wie der heilige Petrus sagen würde, „caeci sunt, et duces caecorum“ (Blinde sind sie und Führer von Blinden). „Man muss sie sich selbst überlassen“, sagt unser Heiliger Vater Pius IX. „Predigt nicht denen, die euch nicht hören wollen.“

Es ist in der Tat nicht leicht, die Welt zu belehren; sie hat so wenig Unterscheidungsgabe, und ihr Gedächtnis ist so schwach. Gleich den törichten Ägyptern der Vorzeit versteht sie weder ihre gegenwärtigen Heimsuchungen, noch erinnert sie sich der vergangenen. „Adhuc enim inter manus habentes luctum, et deplorantes ad monumenta mortuorum, aliam sibi assumpserunt cogitationem inscientiae: et quos rogantes proiecerant, hos tamquam fugitivos persequebantur“ (Denn während sie noch trauerten und an den Gräbern der Toten wehklagten, ergriffen sie einen anderen törichten Anschlag und verfolgten die als Flüchtlinge, die sie zuvor bittend fortgedrängt hatten), heißt es. (Weish. 19, 3.)

Für solche Leute war nichts zu tun, als ihnen ein Ende zu machen. Sie waren schlechterdings nicht zu belehren. Für sie blieb nichts übrig als das Rote Meer. „Horum, quae acciderant, commemorationem amittebant, ut quae deerant tormentis, repleret punitio“ (Sie verloren das Andenken an das, was geschehen war, damit die Strafe ergänze, was ihren Qualen noch mangelte). Ein heiteres Los war es nicht; aber da Ägypten unverbesserlich war, konnte es kein anderes erwarten. Die Welt hat seitdem viele Lehren empfangen, hat aber stets wenig Nutzen daraus gezogen und zieht noch immer wenig Nutzen daraus!

Ägypten ist ein Vorbild der Welt, wie Israel ein Vorbild der Kirche war. Erst als Finsternis die ganze Erde bedeckte und der Vorhang des Tempels entzweiriss, begannen selbst die Zuschauer auf dem Kalvarienberge zu ahnen, dass etwas Ungewöhnliches geschehen sei. Die leblose Natur seufzte, sie aber nicht. Sie schwatzten und schüttelten die Köpfe am Fuße des Kreuzes, gerade als wären sie Ungläubige des neunzehnten Jahrhunderts gewesen; und obgleich sie für einen Augenblick erschraken, vergaßen sie ihren Schrecken bald, und die meisten von ihnen lebten hernach genau so, wie sie zuvor gelebt hatten. Selbst die außerordentlichsten Wunder hatten für sie nicht viel Belehrung.

Als die gottesmörderische Stadt Jerusalem jenes unerhörte Verbrechen begangen und ihre Straßen mit dem Blute eines Gottes gefärbt hatte, war das Maß ihrer Missetat voll. Die eisernen Legionen der Römer standen vor ihren Toren. Zeichen und Wunder erschienen am Himmel und auf Erden, welche die gänzliche Zerstörung jener mörderischen Stadt vorher verkündeten. Während des Laubhüttenfestes, inmitten der Musik, des Gesanges und des Jubels der zahllosen Scharen, die nach Jerusalem geströmt waren, erschien plötzlich ein seltsamer Mann, der, wie von der Hand Gottes berührt, mit heller und feierlicher Stimme laut zu rufen begann:

„Wehe dem Tempel! Wehe Jerusalem!“ Eine Stimme vom Aufgang, eine Stimme vom Niedergang, eine Stimme von den vier Winden des Himmels, die da rief: „Wehe, wehe Jerusalem!“ Vier lange Jahre hindurch setzte er diesen Warnruf fort. Tag und Nacht, durch die belebten wie durch die stillen Straßen, erscholl sein erschütternder Warnruf: „Wehe Jerusalem!“ Man ergriff ihn, man gebot ihm Schweigen, man geißelte ihn, bis seine Rippen bloßlagen; aber nicht eine Träne vergoss er, nicht einen Seufzer stieß er aus; seine einzige Antwort war derselbe klagende, unirdische Ruf: „Wehe, wehe Jerusalem!“ Je schwächer sein Leib wurde, desto stärker wurde seine Stimme.

Endlich, am Vorabend der Zerstörung jener unbußfertigen Stadt, endete seine fruchtlose Sendung – er wurde von einem Pfeil getroffen und fiel tot nieder! (Josephus, ein Augenzeuge, „Bell. Jud.“, lib. vii, c. 12.)

Diese warnende Stimme, ja selbst Krieg, Hungersnot, Tod, die Zerstörung des Tempels und der Stadt Jerusalem, die Unmöglichkeit, sie wieder aufzubauen, die Zerstreuung des jüdischen Volkes über die ganze Welt – all dies hat für jenes Volk sehr wenig Belehrung gehabt. Ägypten und Jerusalem sind Vorbilder der Welt. Das römische Reich, „ebria de sanguine sanctorum“ (trunken vom Blute der Heiligen), wurde zertrümmert, wie Daniel vorhergesagt hatte, und die Fischer saßen auf dem Platze der Cäsaren; aber selbst damals lernte die Welt aus dem wunderbaren Umschwung weniger, als man hätte erwarten sollen.

Der gegenwärtige Stand der Dinge liefert einen ergötzlichen Kommentar zur „sapientia huius mundi“ (Weisheit dieser Welt). Diese weise Welt begreift nicht, dass sie einen Herrn haben muss, ob es ihr gefällt oder nicht, und dass sie, wenn sie Gott nicht haben will, den Satan haben muss. Ruft sie nicht die Kirche zu Hilfe – die allein sie lehren kann, wie man Tyrannen überwindet –, so wird sie in wenigen Jahren nicht mehr Freiheit haben, als in einer preußischen Kaserne herrscht, und selbst diese hält die Freimaurerei noch für mehr, als ihr zukommt.

Arme Welt! Fährt sie fort wie jetzt, ohne bessere Lehrer als die der Logen, so wird ihr in kurzer Zeit nur noch die Wahl bleiben zwischen Absolutismus und Kommunismus. Nur die Kirche kann sie retten, wie sie sie schon hundertmal zuvor gerettet hat; aber die Welt ist darauf versessen, „zu ergänzen, was ihren Qualen noch mangelt“. Nicht eher, als bis das letzte prophetische Siegel geöffnet wird, wenn „omnis mons, et insulae de locis suis motae“ (jeder Berg und die Inseln von ihren Stellen gerückt) sein werden und andere Katastrophen, selbst dem eifrigsten Erforscher der Geologie gänzlich neu, die Erde erschüttern werden, wird die Welt anfangen, etwas zu lernen – und dann wird es zu spät sein.

Vor jenem Tage wird es überhaupt keine Hoffnung für die Welt geben, und dann noch weniger als je. Vielleicht ist dies der Grund, warum selbst Er, der sie zu retten verlangte, sprach: „Non pro mundo rogo“ (Nicht für die Welt bitte ich).

Können wir aber die Welt nicht belehren, so lasst uns unsere Katholiken belehren. Alles, was geeignet ist, sie in ihrem heiligen Glauben zu befestigen und sie davor zu bewahren, mit Ungläubigen und protestantischen Verführern vertraut zu werden, muss als eine höchst heilsame Lehre angesehen werden. Das elende Ende der Verfolger des Glaubens, das furchtbare Gericht, mit dem Gott sie heimzusuchen beliebte, sind gewiss geeignet, die Katholiken in der Wahrheit zu befestigen und sie zu bewegen, allen, die sie gottlos leugnen, ein taubes Ohr zu leihen; sie sind geeignet, aufs Deutlichste zu zeigen, wie alle „törichten Anschläge“ der Gottlosen unausbleiblich zum Roten Meere und zum endgültigen Untergange des ägyptischen Heeres der Ungläubigen führen.

Nero war der erste Hauptverfolger der christlichen Religion; und von diesem elenden Kaiser lesen wir, dass er nach den vielen Ungerechtigkeiten und Grausamkeiten, die er gegen seine Untertanen und besonders gegen die Christen verübte, sich eines Nachts unvermutet von seiner Leibwache verlassen sah. Da er sein Verderben nahe sah, floh er aus seinem Palast und klopfte an die Türen mehrerer seiner Freunde, wurde aber von allen abgewiesen; worauf er mit vier seiner Freigelassenen die Stadt verließ, um einen Schlupfwinkel zu suchen. Die Gefährten seiner Flucht sahen sich genötigt, sich und den Kaiser in einer Sandgrube zu verbergen.

Inzwischen rief der Senat Galba zum Kaiser aus, erklärte Nero zum Feinde des Staates und verurteilte ihn, zur Richtstätte geschleift und zu Tode gegeißelt zu werden. Als Nero von diesem Beschlusse Kunde erhielt, wurde er von Verzweiflung ergriffen und stieß sich einen Dolch in die Kehle. Unmittelbar darauf kam ein Hauptmann an, der, um ihm das Leben bis zur öffentlichen Hinrichtung zu erhalten, ihm Hilfe anbot; diese wies der Kaiser zurück und rief: „Es ist nun zu spät!“, mit welchen Worten er elendiglich verschied.

Julian, mit dem Beinamen der Abtrünnige, der es unternommen hatte, die Kirche Jesu Christi gänzlich zu zerstören, erklärte sich zum Feinde Christi und zum Verehrer der Götter. Nachdem er aber nicht ganz zwei Jahre regiert hatte, kam es im Jahre 363 n. Chr. zu einem Treffen mit den Persern; in der Hitze der Schlacht sah er einige Perser fliehen; er erhob Arme und Stimme, um seine Soldaten zur Verfolgung anzufeuern, als ein verirrter Pfeil ihm durch die Rippen fuhr und die Leber durchbohrte.

Bei dem Versuch, die tödliche Waffe herauszureißen, zerschnitt er sich die Hände, und da ihn die Kräfte verließen, stürzte er vom Pferd. Er wurde in eine nahe Hütte gebracht und empfing wundärztliche Hilfe, die ihn dem Anscheine nach wiederherstellte. Er bestieg abermals sein Pferd in der Absicht, sich an die Spitze seiner Truppen zu stellen; aber seine Kräfte versagten gänzlich, und er verschied in derselben Nacht.

Theodoret und Zozimen [d. i. Sozomenos] berichten, er habe, als er die Todeswunde empfing, seine Hand mit dem Blut gefüllt, das aus seiner Seite floss, es in die Luft geschleudert und ausgerufen: „Du hast gesiegt, Galiläer!“ Kardinal Orsi fügt hinzu, nach der Alexandrinischen Chronik und einer dem heiligen Basilius zugeschriebenen Offenbarung sei der Reiter, der den Abtrünnigen verwundete, der Märtyrer, der heilige Merkurius, gewesen, der in der Verfolgung des Dacius [d. i. Decius] in Kappadozien gelitten hatte.

Diokletian besitzt die schmachvolle Berühmtheit, eine größere Zahl von Märtyrern seiner Grausamkeit geopfert zu haben als irgendein anderer Tyrann. Nachdem er zwanzig Jahre lang die Zügel des Reiches geführt hatte, wurde er von seinem Schwiegersohne Galerius zur Abdankung genötigt, der, vom Heere unterstützt, ihm kühn erklärte, wenn er nicht freiwillig zurücktrete, werde er ihn mit Gewalt dazu zwingen.

Der elende Diokletian hatte keine Wahl; und da er sich in seinem Alter von allen verlassen und verachtet sah, wurde er des Lebens so überdrüssig, dass er sich auf die Erde zu werfen und in den schrecklichsten Verrenkungen zu winden pflegte. Endlich wurde er von solcher Schwermut überwältigt, dass er beschloss, seinen Tod zu beschleunigen; zu diesem Zwecke entzog er sich Speise und Schlaf und beendete so sein gottloses und elendes Dasein.

Maximianus war Diokletians Genosse in der Regierung des Reiches und in den gegen die Christen verübten Grausamkeiten gewesen; er war auch in dem elenden Tode, den er sich selbst zuzog, ein weiteres Beispiel einer rächenden Vorsehung. Seine Grausamkeit war so entsetzlich, dass er selbst bei seinen Gastmählern Menschen von einem wilden Bären zerreißen ließ.

Da seine Abdankung gewissermaßen erzwungen war, ging er beständig mit Plänen zur Wiedererlangung der Herrschaft um. Er hatte seine Tochter Konstantin dem Großen vermählt; und da er auf seinen Schwiegersohn eifersüchtig war, beschloss er dessen Ermordung. Auf den Beistand seiner Tochter vertrauend, verschaffte er sich eines Nachts Zutritt zu Konstantins Schlafgemach in der Absicht, ihn im Schlafe umzubringen.

Die Tochter, die ihren Gatten mehr liebte als ihren Vater, führte ihn in eine Kammer, wo ein anderer schlief, den er meuchlings ermordete. Als er die Todeskammer verließ, in der er seinen Nebenbuhler erschlagen glaubte, begegnete er Konstantin, der, von seiner Absicht unterrichtet und Zeuge der eben verübten Bluttat, den Tyrannen entschlossen aufforderte, die Art seines Todes selbst zu wählen. Er wählte die Erdrosselung und beendete so elendiglich sein schändliches Leben.

Maximinus stand in den Grausamkeiten, die er gegen die Christen verübte, den beiden vorgenannten Tyrannen nicht nach. Von Licinius besiegt, floh er nach Tarsus, wo er, eng belagert, alle Hoffnung auf Rettung aufgab. Nachdem er ein, wie er es nannte, letztes Gastmahl hatte bereiten lassen, überfüllte er sich mit Speise und Wein in solchem Maße, dass das Gift, welches er darauf verschluckte, ihm nicht sogleich das Leben nahm, ihn aber in einen so jämmerlichen Zustand versetzte, dass er vier Tage lang in den furchtbarsten Qualen lag, unfähig, irgendeine Speise zu sich zu nehmen, wohl aber in einem Anfall von Raserei Hände voll Erde verschlingend.

Schon bei Lebzeiten einen Vorgeschmack der Höllenqualen fühlend und von unsäglicher Pein gepeinigt, schlug er den Kopf mit solcher Gewalt gegen die Wand, dass ihm die Augen aus den Höhlen traten – eine angemessene Strafe für ihn, der so vielen heiligen Märtyrern die Augen hatte ausreißen lassen. Da fühlte er, welch furchtbare Rechenschaft von ihm für seinen unheiligen Krieg gegen die Religion gefordert werden würde. Die Gewalt des Giftes verzehrte sein Fleisch so sehr, dass er kaum mehr zu erkennen war. Inmitten seiner Qual rief er den Tod an, ihn von seiner Marter zu erlösen; und so schied seine unselige Seele aus seinem elenden Leibe, gemäß dem Wehe, das der Prophet Zacharias ausgesprochen hat:

„Et haec erit plaga, qua percutiet Dominus omnes gentes, quae pugnaverunt adversus Ierusalem: tabescet caro uniuscuiusque stantis super pedes suos, et oculi eius contabescent in foraminibus suis, et lingua eorum contabescet in ore suo“ (Und dies wird die Plage sein, womit der Herr alle Völker schlagen wird, die wider Jerusalem gestritten haben: Ihr Fleisch wird verwesen, während sie noch auf ihren Füßen stehen, und ihre Augen werden in ihren Höhlen verwesen, und ihre Zunge wird in ihrem Munde verwesen). (Zach. 14, 12.)

Valens war kein Götzendiener, aber der arianischen Häresie ergeben; er war der geschworene Feind der katholischen Kirche. Die Katholiken hatten so viel von den Arianern zu leiden, dass sie eine Abordnung von achtzig Geistlichen an den Kaiser sandten, um ihm ihre Beschwerden vorzutragen. Der gottlose Tyrann behandelte die Gesandtschaft mit der äußersten Schmach und gab geheimen Befehl, sie zu töten. Der Präfekt ließ sie ein Schiff besteigen; die Schiffsleute hatten Weisung, es zu verlassen und in Brand zu stecken, und auf diese entsetzliche Weise, die höchstwahrscheinlich Valens selbst angegeben hatte, gaben die heiligen Geistlichen ihr Leben hin.

Es gab sehr wenige Städte, die nicht unter den Wirkungen seiner Grausamkeit seufzten. Bei seiner Ankunft in Antiochien ließ er viele Katholiken foltern, viele ertränken, und die Zahl derer, die um des Glaubens willen in die Verbannung geschickt wurden, war fast unberechenbar. Überdies erließ er ein Edikt, das befahl, alle Mönche gewaltsam zum Kriegsdienste auszuheben, und übertrug die Ausführung des Erlasses dem Lucius, dem falschen Bischof von Alexandrien. Dieser Mann zog an der Spitze von dreitausend Soldaten in die Wüsten von Nitrien, wo er viele der heiligen Einsiedler erschlug und noch mehr in die Sümpfe Ägyptens verbannte.

Im Jahre 378 aber ereilte die rächende Gerechtigkeit des Himmels den Valens; denn als die Goten einen Angriff auf Konstantinopel vorbereiteten, trat ihm ein heiliger Mönch namens Isaak entgegen und redete ihn also an: „Wohin eilst du, o Kaiser? Du streitest wider den Herrn, er aber wird dich zuschanden machen. Du wirst im Kampfe unterliegen und nimmermehr zurückkehren!“ Valens erwiderte voll Wut: „Ich werde zurückkehren und dich deine Verwegenheit mit dem Leben büßen lassen.“ Der Mönch wurde demgemäß eingekerkert, aber seine Weissagung erfüllte sich.

Valens wurde geschlagen und auf der Flucht vom Schlachtfelde von einem Pfeile getroffen; man brachte ihn in eine nahe Hütte, und kurz darauf kam eine Schar feindlicher Reiter heran, die, da sie die Tür verschlossen fanden und nicht wussten, wer darin war, die Hütte in Brand steckten. Der unglückliche Kaiser kam im fünfzigsten Jahre seines Alters in den Flammen um.

Anastasius, ein heftiger Verfolger der Katholiken, hatte das Reich siebenundzwanzig Jahre inne; er war aus dem Privatstande auf den Thron erhoben worden, sehr gegen den Willen jenes überaus eifrigen Prälaten Euphemius, Patriarchen von Konstantinopel, der, seine Feindschaft gegen den katholischen Glauben kennend, sich seiner Wahl so lange widersetzte, bis er geschworen hatte, das Konzil von Chalcedon zu beobachten. Anastasius aber hielt seinen Eid keineswegs; im Gegenteil verfolgte er die Katholiken umso mehr, gleichsam aus Rache dafür, dass er genötigt worden war, ihn abzulegen.

Er wurde jedoch bald von der göttlichen Rache ereilt, wovon der heilige Elias, Patriarch von Jerusalem, eine wunderbare Offenbarung hatte. Im Jahre 518 befand sich dieser heilige Bischof, damals neunzig Jahre alt, in Gesellschaft des heiligen Sabas, eines Mönches, in der Nähe von Jerusalem; als die Stunde der Mahlzeit kam, weigerte sich der Patriarch, Speise zu nehmen, und sagte seinem Gefährten, in eben diesem Augenblick sei der Tyrann verschieden.

An eben jenem Abend zog ein Gewitter über den Palast, und der Kaiser, erschreckt durch die Donnerschläge, mehr aber noch geängstigt durch Gewissensbisse wegen seiner häufigen Verfolgungen, floh von Gemach zu Gemach und suchte endlich Zuflucht in einem Zimmer, aus dem man ihn nicht mehr herauskommen sah. Als seine Höflinge eintraten, fanden sie ihn tot; ob er nun vom Blitz erschlagen oder von der Pein der Gewissensbisse getötet wurde – es kann nicht bezweifelt werden, dass er mit Recht als ein Opfer der göttlichen Rache fiel.

Von den kaiserlichen Verfolgern des Glaubens wollen wir zu den Häresiarchen übergehen, deren Feindschaft der Kirche noch größeren Schaden zufügte; denn bestechende Trugschlüsse und falsche Lehre sind der Sache der Wahrheit gefährlicher als Folterbank und Scheiterhaufen.

Arius, ein Christ, war in Afrika geboren. Nach seiner Ankunft in Alexandrien schloss er sich dem Schisma des Meletius an, das er später wieder verließ, wurde zum Priester geweiht und mit der Seelsorge einer Pfarrei betraut. Beim Tode des Patriarchen Achillas hegte Arius die ehrgeizige Hoffnung, zu dessen Nachfolger ernannt zu werden; als er aber fand, dass ihm der heilige Alexander vorgezogen worden war, tadelte er zuerst das Betragen und danach den Glauben des Heiligen. Er beschuldigte ihn, fälschlich zu lehren, dass das göttliche Wort der Sohn Gottes sei, von Ewigkeit gezeugt und dem Vater gleich und wesensgleich.

Arius dagegen lehrte lästerlich, Gott habe das Wort auf die Weise seiner anderen Geschöpfe erschaffen, und es sei wegen seiner überragenden Heiligkeit mit dem Titel des Wortes und Sohnes Gottes beehrt worden. Der heilige Alexander ermahnte ihn oft, aber vergeblich; er sah sich daher genötigt, eine Synode zu versammeln, welche die Irrtümer des Ketzers verurteilte; dieser wurde gezwungen, die Stadt zu verlassen und sich nach Palästina zurückzuziehen, wo es ihm gelang, durch Trug die Gunst einiger Bischöfe zu gewinnen.

Durch die Verbreitung seiner Irrtümer verursachte er große Erregung im ganzen Morgenlande; und Kaiser Konstantin fasste in der Hoffnung, die Häresie mit einem Male auszulöschen, den Gedanken, ein Konzil zu Nicäa versammeln zu lassen, wo dreihundertachtzehn Bischöfe die Lehren des Häresiarchen feierlich verurteilten und erklärten, dass Jesus Christus der wahre und ewige Sohn Gottes und dem Vater wesensgleich sei. Da Arius sich weigerte, dem Konzil Gehorsam zu leisten, wurde er von Konstantin nach Illyrien verbannt; seinen Anhängern gelang es jedoch, den Kaiser zu überreden, er bekenne sich zu der vom Konzil gelehrten Lehre, und er selbst schwor, niemals davon abzuweichen.

Man kam daher überein, ihn zur Gemeinschaft der Gläubigen zuzulassen; während er aber zu diesem Zwecke in triumphierendem Aufzug unter dem Beifallsruf seiner Jünger zur Kirche in Konstantinopel geführt wurde, ereilte ihn, als er auf dem großen Platze der Stadt angelangt war, die göttliche Rache.

Plötzlich von heftigen Krämpfen der Eingeweide befallen, fragte er, ob ein abgelegener Ort in der Nähe sei, wohin er sich zurückziehen könne; ein Diener begleitete ihn an einen Ort hinter dem Platze und wartete an der Tür. Der elende Häresiarch barst beim Betreten des Raumes innerlich, und seine Eingeweide traten hervor, gefolgt von einem gewaltigen Blutstrom: So gab er, gleich einem zweiten Judas, seine elende Seele auf. Nach geraumer Zeit traten einige seiner Freunde ein und fanden ihn tot daliegen. So endete der Triumph des Arius.

Nestorius folgte dem Arius in der Verfolgung der Kirche durch die Lehre einer anderen gottlosen Doktrin. Im Jahre 427 oder im folgenden wurde er auf den Patriarchenstuhl von Konstantinopel erhoben und zeigte anfangs großen Eifer gegen die Ketzer, besonders die Arianer. Er hatte aus Antiochien einen Priester namens Anastasius mitgebracht, dem er eines Tages auftrug, in seiner Predigt zu erklären, die allerseligste Jungfrau dürfe nicht Mutter Gottes, sondern nur Mutter Christi genannt werden.

Das Volk, darüber tief geärgert, forderte den Patriarchen auf, die Verwegenheit dieses Priesters zu bestrafen; Nestorius aber bestieg am folgenden Tage die Kanzel und verteidigte den Satz des Anastasius, indem er offen erklärte, Christus sei nicht Gott, und darum könne seine Mutter nicht Mutter Gottes genannt werden. In einer anderen Predigt sagte er: „Wenn jemand es wagt, die Jungfrau Mutter Gottes zu nennen, der sei Anathema.“ Er leugnete die hypostatische Vereinigung des göttlichen Wortes mit der menschlichen Natur in Christus und sagte, das Wort sei mit Christus nur durch die Gnade vereinigt, wie es mit den Heiligen vereinigt ist, nur auf eine vorzüglichere Weise.

Er erklärte, das Wort wohne in der Menschheit Christi wie in einem Tempel, und schloss daraus, diese Menschheit sei so zu ehren, wie wir den Purpur eines Königs oder den Thron, auf dem er sitzt, ehren; stets aber leugnete er, dass der Sohn Gottes Mensch geworden und für unser Heil gestorben sei. Einige Archimandriten, die sich weigerten, seine Irrtümer anzunehmen, ließ er einkerkern und aufs Grausamste geißeln. Endlich wurde nach langer Verhandlung auf dem Konzil von Chalcedon [so die Vorlage; gemeint ist das Konzil von Ephesus, 431], das aus einhundertachtundachtzig Bischöfen bestand, die Lehre des Nestorius verurteilt, er selbst des Patriarchates entsetzt und exkommuniziert.

Damals wurde bestimmt, dass die Vereinigung des Wortes mit der Menschheit Christi nicht eine bloß sittliche, sondern eine hypostatische Vereinigung sei; denn in Jesus Christus trägt die einzige Person des Wortes sowohl die göttliche als die menschliche Natur, die beide in der Person des Wortes bestehen. Daher sind in Christus nicht zwei Personen, sondern eine Person, die zugleich wahrer Gott und wahrer Mensch ist.

Das Volk, das den ganzen Tag in großer Spannung gewartet hatte, die Entscheidung des Konzils zu erfahren, sagte, sobald es sie verkünden hörte, Gott mit allen Zeichen der Freude Dank; es geleitete die Bischöfe mit brennenden Fackeln in ihre Wohnungen, und Frauen gingen dem Zuge voran und trugen Rauchfässer mit Weihrauch durch die Straßen, die glänzend erleuchtet waren.

Nestorius wurde von Kaiser Theodosius verbannt und starb elend in der Verbannung. Einige sagen, er habe sich in einem Anfall von Verzweiflung den Schädel zerschmettert; andere, er sei an einem Krebs im Munde gestorben, und die Würmer, die daraus hervorgingen, hätten seine Zunge zerfressen, die so viele Lästerungen gegen Gott und seine heilige Mutter ausgesprochen hatte.

Auch Manes, das Haupt der Manichäer, fand einen elenden Tod, und zwar auf folgende Weise:

Der Sohn Sapors, des Königs von Persien, war todkrank, und da die Ärzte ihn aufgegeben hatten, war sein Vater untröstlich. Manes erbot sich verwegen, ihn zu heilen, unter der Bedingung, dass er seine Lehre annehme. Der Prinz wurde demgemäß seiner Pflege anvertraut, starb aber noch am selben Tage; worauf der König so erzürnt war, dass er Manes sogleich zum Tode verurteilte.

Er wurde demgemäß eingekerkert, wusste aber die Wächter zu töten und floh nach Mesopotamien, wo er, nachdem er lange dort verweilt hatte, sich schmeichelte, der Zorn des Königs sei verraucht, und nach Persien zurückkehrte. Sapor aber hatte kaum von seiner Rückkehr erfahren, als er befahl, ihn zu ergreifen und mit spitzen Rohren lebendig zu schinden; seine Haut wurde aufgeblasen und öffentlich zur Schau gestellt und wurde noch hundert Jahre danach vom heiligen Epiphanius gesehen, der die Tatsache berichtet.

Johannes Wiclif gebührt der erste Platz unter den Häretikern der neueren Zeit. Er war in England geboren und wurde, da er sich in seinen Hoffnungen auf die Nachfolge im Bistum Winchester getäuscht sah, hartnäckig im öffentlichen Bekenntnis jener Irrtümer, die er schon einige Zeit vorher zu verbreiten beflissen gewesen war. Im Jahre 1385, als er eine Predigt auf das Fest des heiligen Thomas Becket vorbereitete – nicht zum Lobe, sondern zum Tadel des Heiligen –, wurde er vom Herrn mit einer schrecklichen Lähmung geschlagen, die jenen lästerlichen Mund, mit dem er so viele Gottlosigkeiten ausgesprochen hatte, auf furchtbare Weise entstellte. Nach diesem Anfall sprach er nie wieder und starb, wie Walsingham uns berichtet, in Verzweiflung.

Johann von Leiden war der erste der Wiedertäufer. Nachdem er den Bischof aus der Stadt Münster vertrieben hatte, täuschte er seine Anhänger so sehr, dass er sie bewog, ihn zum König zu krönen, indem er erklärte, er sei von Gott zur königlichen Würde erwählt. Er billigte die Vielweiberei und glaubte nichts von dem Geheimnis der heiligen Eucharistie. Er wählte aus seinen Anhängern zwölf Jünger aus, die er aussandte, seine Irrtümer zu predigen; sie wurden aber fast alle verhaftet und samt ihrem Meister zum Tode verurteilt.

Es gefiel jedoch Gott, an Johann von Leiden die außerordentlichen Schätze seiner Barmherzigkeit zu offenbaren; denn dieser bezeigte im Tode aufrichtige Reue über seine Sünden und bewies wunderbare Geduld unter den furchtbaren Martern, die er zu erdulden hatte. Er sprach kein Wort der Klage, sondern rief beständig aus, es sei eine gerechte Strafe für seine Sünden, und hörte nicht auf, die Barmherzigkeit Gottes anzuflehen. Das göttliche Missfallen aber offenbarte sich an seinen Anhängern, die hartnäckig in ihren Sünden starben.

Johannes Hus war Professor an der Universität Prag und hatte das Unglück, die Schriften Wiclifs zu lesen, seine Irrtümer anzunehmen und einen Abriss davon zu verfassen, den er hernach lehrte. Vor das Konzil von Konstanz geladen, um darüber Rechenschaft abzulegen, erhielt er von Kaiser Sigismund einen Geleitsbrief; bei seiner Ankunft in Konstanz aber verbot ihm der Erzbischof, die heilige Messe zu lesen, worüber er so erschrak, dass er in Bauernkleidung, in einem Heuwagen verborgen, zu entfliehen suchte. Entdeckt, wurde er verhaftet und eingekerkert.

Nun wies er den Geleitsbrief vor; diese Urkunde aber enthielt eine Klausel, dass sie nicht dazu bestimmt sei, ihn vor den Folgen zu schützen, falls er der Irrtümer im Glauben schuldig befunden würde. Er wurde vom Konzil ermahnt zu widerrufen, erwiderte aber, er könne es im Gewissen nicht tun; und er wurde demgemäß auf den öffentlichen Platz geführt und lebendig verbrannt.

Luther beschloss seine Laufbahn mit einem Tode, der seinem unmäßigen und unsittlichen Leben entsprach. Er war ein Ordensmann mit abgelegter Profess aus dem Orden des heiligen Augustinus gewesen; nachdem er aber die Kutte abgeworfen hatte, heiratete er die Äbtissin eines gewissen Nonnenklosters [so die Vorlage; Katharina von Bora war einfache Ordensfrau, nicht Äbtissin] und wurde endlich im Jahre 1564 [so die Vorlage; richtig: 1546], nachdem er, wie es seine Gewohnheit war, üppig zu Abend gespeist hatte, in der Nacht plötzlich von tödlichen Schmerzen befallen und starb, wie er gelebt hatte, inmitten von Schwelgerei und Sünde.

Ökolampadius, der Mönch des Ordens der heiligen Brigitta und hernach der Gefährte und Jünger Zwinglis gewesen war, starb im neunundvierzigsten Jahre seines Alters, einen Monat nach dem Tode seines Meisters. Varillas berichtet die Meinung vieler Schriftsteller, er habe oftmals versucht, sich das Leben zu nehmen, und es sei ihm endlich gelungen, seinem Dasein durch Gift ein Ende zu machen. Kardinal Gotti fügt hinzu, nach anderen habe dieser elende Abtrünnige, als er im Verscheiden lag, ausgerufen: „Weh mir! Bald werde ich in der Hölle sein.“

Calvin arbeitete viel an der Ausbreitung des Reiches Luzifers und war für eine ungeheure Zahl von Seelen der Anlass geistlichen Verderbens. Er starb zu Genf im Jahre 1564 n. Chr., im vierundfünfzigsten Jahre seines Alters. Theodor Beza sagt, er sei ganz sanft gestorben; Bolsec aber, der sein Leben beschrieb, und andere, die Natalis Alexander anführt, wie auch Kardinal Gotti berichten, er sei verschieden, indem er die Teufel anrief, sein Leben, seine Studien und seine Schriften verfluchte und aus seinen Geschwüren einen unerträglichen Gestank verbreitete.

Als Heinrich VIII. siebenundfünfzig Jahre alt war, setzte der Tod seinen Verbrechen ein Ende. Um die frevelhafte Lehre von seinem Primat über die englische Kirche aufzurichten, hatte er zwei Kardinäle, drei Erzbischöfe, achtzehn Bischöfe und Archidiakone, fünfhundert Priester, sechzig Obere von Ordenshäusern, fünfzig Domherren, neunundzwanzig Peers, 366 Ritter und eine ungeheure Zahl sowohl vom Adel als vom Volke hinrichten lassen.

Als der Tod nahte, ergriff ihn eine tiefe Traurigkeit und Reue: Alle seine Verbrechen, Kirchenschändungen und Ärgernisse starrten ihm ins Angesicht. Geschwüre an einem seiner Beine, zusammen mit Fieber, sagten ihm nun deutlich, dass sein Ende nahe sei. Da alle seinen Zorn fürchteten, hatte niemand den Mut, ihm zu sagen, seine einzige Aussicht auf Rettung sei, seine bösen Taten zu bereuen, die gegebenen Ärgernisse gutzumachen und demütig zu der Kirche zurückzukehren, die er verlassen hatte.

In seinem Testament verordnete er, sein Sohn solle niemals den Primat über die englische Kirche aufgeben; so war er selbst im Tode unverändert. Er verlangte etwas zu trinken, und nachdem er davon gekostet hatte, sagte er mit lauter Stimme: „So ist dies also das Ende, und alles ist für mich verloren“, und verschied sogleich. „Es ist schwer“, sagte Luther, „zu erwarten, dass das Haupt einer Sekte die Lehren verlasse, die es andere gelehrt hat, und sich bekehre.“ („Geschichte der Häresien“ vom heiligen Alfons von Liguori.)

So hat Gott in früheren Tagen die Verfolger seines heiligen Namens, seiner heiligen Religion auf sichtbare Weise gestraft; so hat er alle Häresiarchen gestraft, die Säer falscher Lehren, den bösen Samen des Unglaubens und der Gleichgültigkeit gegen alle Religion. Diese Strafen zeigen, welch eine furchtbare Sache es ist, in die Hände Gottes zu fallen, und wie fruchtlos und schrecklich es ist, seinem heiligen Namen und seiner Religion zu widerstehen und sie zu bekämpfen.

„Vae qui contradicit fictori suo“ (Wehe dem, der wider seinen Bildner streitet). (Isai. 45, 9.) Der Herr hat die Tage des Ungläubigen und aller seiner Feinde gezählt. Sie werden umher geworfen wie die Wogen des Meeres, aber sie werden sich alle an dem festen Felsen brechen, auf den Christus seine Kirche gebaut hat. Der Herr wird nicht versäumen, alle unsere modernen Heiden und Ungläubigen zu strafen.

„Vae … qui non credunt Deo … Vae his, … qui dereliquerunt vias rectas … Et quid facient, cum inspicere coeperit Dominus?“ (Wehe denen, die Gott nicht glauben! Wehe denen, welche die rechten Wege verlassen haben! Was werden sie tun, wenn der Herr anfangen wird, Untersuchung zu halten?) (Ekkli. 2, 16. 17.)

„Vae vobis viri impii, qui dereliquistis legem Domini Altissimi. Et si nati fueritis, in maledictione nascemini: et si mortui fueritis, in maledictione erit pars vestra. … sic impii a maledicto in perditionem … nomen autem impiorum delebitur“ (Wehe euch, ihr gottlosen Männer, die ihr das Gesetz des allerhöchsten Herrn verlassen habt! Werdet ihr geboren, so werdet ihr im Fluche geboren; und sterbt ihr, so wird der Fluch euer Anteil sein. … So gehen die Gottlosen vom Fluche ins Verderben … der Name der Gottlosen aber wird ausgetilgt werden). (Ekkli. 41, 11–14.)

„Ach!“, ruft der heilige David aus, „noli aemulari in eo qui prosperatur in via sua, in homine faciente iniustitias … quoniam qui malignantur, exterminabuntur … Et adhuc pusillum, et non erit peccator: et quaeres locum eius, et non invenies … quoniam brachia peccatorum conterentur … inimici vero Domini mox ut honorificati fuerint et exaltati, deficientes quemadmodum fumus deficient … Iniusti autem disperibunt simul: reliquiae impiorum interibunt“

(Beneide nicht den, dem es wohl ergeht auf seinem Wege, den Menschen, der Unrecht tut … denn die Übeltäter werden ausgerottet werden. Noch eine kleine Weile, und der Gottlose wird nicht mehr sein; du wirst seine Stätte suchen und sie nicht finden … denn die Arme der Gottlosen werden zerbrochen werden … Die Feinde des Herrn aber werden, sobald sie geehrt und erhöht sind, vergehen, wie der Rauch vergeht … Die Ungerechten aber werden allesamt umkommen; die Überreste der Gottlosen werden zugrunde gehen). (Ps. 36.)

„Utinam saperent et intelligerent … et non est qui de manu mea possit eruere“ (O dass sie doch weise wären und verständen, dass niemand ist, der aus der Hand des Herrn erretten kann). (5. Mos. 32, 39.)

Zeuge dessen ist der stolze und ungläubige König Nabuchodonosor von Babylon. Eines Tages wandelte er im Palast zu Babylon. Er sprach:

„Nonne haec est Babylon magna, quam ego aedificavi in domum regni, in robore fortitudinis meae, et in gloria decoris mei? Cum adhuc sermo esset in ore regis, vox de caelo ruit: Tibi dicitur Nabuchodonosor rex: Regnum tuum transibit a te, et ab hominibus eiicient te, et cum bestiis et feris erit habitatio tua: foenum quasi bos comedes, et septem tempora mutabuntur super te, donec scias quod dominetur Excelsus in regno hominum, et cuicumque voluerit, det illud.

Eadem hora sermo completus est super Nabuchodonosor, et ex hominibus abiectus est, et foenum ut bos comedit, et rore caeli corpus eius infectum est: donec capilli eius in similitudinem aquilarum crescerent, et ungues eius quasi avium. Igitur post finem dierum, ego Nabuchodonosor oculos meos ad caelum levavi, et sensus meus redditus est mihi: et Altissimo benedixi, et viventem in sempiternum laudavi, et glorificavi: quia potestas eius potestas sempiterna, et regnum eius in generationem et generationem. Et omnes habitatores terrae apud eum in nihilum reputati sunt: iuxta voluntatem enim suam facit tam in virtutibus caeli, quam in habitatoribus terrae: et non est qui resistat manui eius, et dicat ei: Quare fecisti?

In ipso tempore sensus meus reversus est ad me, et ad honorem regni mei, decoremque perveni: et figura mea reversa est ad me: et optimates mei, et magistratus mei requisierunt me, et in regno meo restitutus sum: et magnificentia amplior addita est mihi. Nunc igitur ego Nabuchodonosor laudo, et magnifico, et glorifico Regem caeli: quia omnia opera eius vera, et viae eius iudicia, et gradientes in superbia potest humiliare.“

(Ist das nicht das große Babylon, das ich erbaut habe zum Sitze des Reiches durch die Stärke meiner Macht und zur Herrlichkeit meiner Pracht? Und da das Wort noch im Munde des Königs war, fiel eine Stimme vom Himmel: Dir wird gesagt, König Nabuchodonosor: Dein Reich wird von dir weichen; und man wird dich aus der Gesellschaft der Menschen verstoßen, und bei dem Vieh und den wilden Tieren wird deine Wohnung sein; Gras wirst du fressen wie ein Ochs, und sieben Zeiten werden über dich hingehen, bis du erkennst, dass der Allerhöchste über das Reich der Menschen herrscht und es gibt, wem er will.

In derselben Stunde ward das Wort an Nabuchodonosor erfüllt: Er ward aus der Gesellschaft der Menschen verstoßen und aß Gras wie ein Ochs, und sein Leib ward vom Tau des Himmels benetzt, bis seine Haare wuchsen wie Adlerfedern und seine Nägel wie Vogelklauen. Nach Verlauf der Tage aber erhob ich, Nabuchodonosor, meine Augen gen Himmel, und mein Verstand ward mir wiedergegeben; und ich pries den Allerhöchsten und lobte und verherrlichte den, der ewig lebt; denn seine Macht ist eine ewige Macht, und sein Reich währt von Geschlecht zu Geschlecht.

Und alle Bewohner der Erde sind vor ihm wie nichts geachtet; denn er tut nach seinem Willen, sowohl mit den Mächten des Himmels als unter den Bewohnern der Erde, und niemand ist, der seiner Hand widerstehen und zu ihm sagen könnte: Warum hast du das getan?

Zur selben Zeit kehrte mein Verstand zu mir zurück, und ich gelangte wieder zur Ehre und Herrlichkeit meines Reiches, und meine Gestalt kehrte zu mir zurück; und meine Großen und meine Obrigkeiten suchten mich auf, und ich ward in mein Reich wieder eingesetzt, und größere Herrlichkeit ward mir hinzugefügt. Nun also lobe und erhebe und verherrliche ich, Nabuchodonosor, den König des Himmels; denn alle seine Werke sind wahrhaftig und seine Wege Gerichte, und die in Hoffart wandeln, vermag er zu erniedrigen.) (Dan. 4, 27–34.)

Der Ungläubige gedenke dieses Beispiels; er gedenke, dass die Stunde kommen wird, da er seine Augen öffnen, da er die Weisheit derer sehen wird, die geglaubt haben; da er auch zu seiner Beschämung seinen eigenen Wahnwitz im Unglauben erkennen wird. Möge Gott ihm die Gnade gewähren, die er Nabuchodonosor gewährte, nämlich seine Torheit zu erkennen und zu bereuen, solange es noch nicht zu spät ist! Er bete beständig um diese Gnade, indem er spricht: „Sanctificetur nomen tuum“ (Geheiligt werde dein Name).

aus: Michael Müller, CSsR, Die Feinde der Kirche S. 195 – S. 213 in: Gott, der Lehrer der Menschheit, 1880

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  • FatherMuellerPic-1: wikimedia | Public Domain Mark 1.0
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