Die Feinde der Kirche
Drittes Kapitel (Fortsetzung)
III. Der dritte Feind der Kirche: Die Freimaurerei
§ 12. Zwei Klassen von Freimaurern
Jene, welche die freimaurerischen Grundsätze bekennen – „Atheismus oder bestenfalls Deismus in der Religion; Anarchie in der Politik; Materialismus und Rationalismus in der Philosophie; und Hass gegen Jesus Christus in allen Dingen“ –, zerfallen in zwei Klassen:
1. jene wenigen, die wissen, was diese Grundsätze sind und was sie bedeuten, und die das Ziel sehen, zu dem sie von der Bosheit getrieben werden;
2. jene Legion, die kein Ziel im Auge hat und nicht weiß, was die Grundsätze bedeuten, die sich aber von der anderen Klasse hat bezaubern lassen, die Grundsätze ohne Prüfung angenommen hat und sie dann aus Vorurteil verteidigt. Oder vielleicht haben sie einen Teil jener Grundsätze für gut gehalten und dann folgewidrig alle angenommen. Sie beanspruchen für die bürgerliche Gewalt das Recht, alle Angelegenheiten der Religion zu regeln.
Einige dieser verführten und betörten Leute möchten die Einrichtungen Jesu Christi modernisieren oder sie den Erfordernissen der Zeit anpassen, schrecken aber doch davor zurück, sich dem Werke der unendlichen Weisheit Gottes zu widersetzen. Auf diese Klasse spielte unser Heiliger Vater, Papst Pius IX., an, als er in einer seiner Allokutionen sagte:
Es gibt manche, welche die Geschicke der Völker lenken und aus Eifersucht auf den Einfluss, den die Kirche auf die Völker ausübt, sie ihrem Gutdünken unterwerfen wollen, indem sie ihre göttliche Verfassung nach modernen Anschauungen abändern und diese Einrichtung, die von Gott gekommen und in ihren Grundsätzen unwandelbar ist, zu einer gänzlich menschlichen machen.
Andere entsagen der Gewalt und wollen ihre Grundsätze nur mittels des „Rechtes“ und des Gesetzes durchführen. Sie entdecken ein Recht, den Klerus zu berauben; ein Recht, die Klöster aufzuheben; ein Recht, sich von der römischen Kirche zu trennen; ein Recht, den Einfluss der Grundbesitzer zu schmälern und ihr Eigentum zu vermindern; ein Recht, das gesetzliche Konkubinat (die Zivilehe) einzuführen; ein Recht, alle Erziehung den Händen der Kirche zu entziehen usw.
Sie haben eine Menge nebelhafter Ausdrücke, um ihre Politik zu bezeichnen. Sie sind verflucht vom Herrn:
„Vae qui dicitis malum bonum, et bonum malum: ponentes tenebras lucem, et lucem tenebras … qui iustificatis impium pro muneribus, et iustitiam iusti aufertis ab eo. Propter hoc sicut devorat stipulam lingua ignis, et calor flammae exurit: sic radix eorum quasi favilla erit, et germen eorum ut pulvis ascendet“ (Wehe euch, die ihr das Böse gut und das Gute bös nennt, die ihr Finsternis zu Licht und Licht zu Finsternis macht … Wehe euch, die ihr den Gottlosen um Geschenke rechtfertigt und dem Gerechten seine Gerechtigkeit nehmt. Darum, wie die Feuerzunge die Stoppeln verzehrt und die Glut der Flamme sie verbrennt, so wird ihre Wurzel wie Asche sein und ihr Spross wie Staub auffliegen). (Isai. 5, 22–24.)
„Vae qui condunt leges iniquas: et scribentes, iniustitiam scripserunt“ (Wehe denen, die ungerechte Gesetze machen, und wenn sie schreiben, schreiben sie Ungerechtigkeit). (Isai. 10, 1.) „Vae qui aedificat domum suam in iniustitia“ (Wehe dem, der sein Haus mit Ungerechtigkeit baut). (Jer. 22, 13.)
Es gibt andere (die Gemäßigten oder die konservative Partei), die sich von ihren Gegnern nur im Schritt, nicht in den Grundsätzen unterscheiden. Sie scheuen sich, aus eigenem Antriebe vorzugehen. Sie wünschen alle Parteien zu versöhnen und dienen deshalb sicher der Sache der schlimmsten Partei.
Wiewohl die Mehrzahl in jeder Klasse sich an der Nase herumführen lassen mag, so muss diesen armen, unwissenden und törichten Geschöpfen doch vorgehalten werden, dass sie ohne Entschuldigung sind. Denn die Kirche hat unaufhörlich die wahren Lehren verkündet und die Trugschlüsse in den Grundsätzen ihrer Verführer aufgezeigt.
Es gibt noch andere, von denen unser Heiliger Vater Pius IX. in seinem Rundschreiben vom 21. November 1873 also spricht:
Einige von euch, Ehrwürdige Brüder, mögen sich vielleicht wundern, dass der Krieg, der in dieser Zeit gegen die katholische Kirche geführt wird, sich so weit und breit erstreckt. Wer aber mit dem Charakter, den Zielen und Absichten der Sekten – mögen sie Freimaurer heißen oder unter welchem Namen immer bekannt sein – vertraut ist und sie mit dem Charakter und der Ausdehnung des Kampfes vergleicht, der fast auf der ganzen Welt gegen die Kirche geführt wird, kann nicht zögern, die Ursache unserer gegenwärtigen Drangsale der List und Verschwörung eben dieser Sekten zuzuschreiben.
Aus ihnen setzt sich die Synagoge Satans zusammen, die ihre Streitkräfte ordnet und sich rüstet, Mann gegen Mann mit der Kirche Christi zu kämpfen. Von ihren ersten Anfängen an sind sie von Unseren Vorgängern, die über Israel gewacht haben, den Königen und den Völkern angezeigt worden; wieder und wieder haben jene sie verurteilt, und auch Wir selbst haben es an dieser Unserer Pflicht nicht fehlen lassen. Hätte man doch den obersten Hirten der Kirche von Seiten derer, die eine so schreckliche Plage hätten abwehren können, festeren Glauben geschenkt!
Aber die Sekte, auf krummen Wegen dahin schleichend, unablässig an ihrem Werke, viele mit ihrer verschlagenen List betörend, bricht nun aus ihren Schlupfwinkeln hervor und rühmt sich, allmächtig zu sein. Diese sündhaften Vereinigungen haben die Zahl ihrer Anhänger gewaltig vermehrt und wähnen nun, ihre Absichten erreicht und das ihnen gesteckte Ziel beinahe erlangt zu haben.
Nachdem ihnen gelungen ist, wonach sie so lange getrachtet haben – den Besitz der höchsten Gewalt an vielen Orten –, gebrauchen sie nun kühn die erlangte Stärke und Macht, damit die Kirche Gottes in die drückendste Knechtschaft gebracht, von ihren Grundfesten losgerissen und der göttlichen Merkmale, durch die sie hervorleuchtet, beraubt werde; mit einem Worte: damit sie, erschüttert, zertrümmert und durch viele Schläge niedergeworfen, womöglich gänzlich von der Welt vertilgt werde. (Aus dem New Yorker Freeman’s Journal.) (Pius IX, Etsi Multa)
Zu dieser Klasse gehören:
1. jene Freimaurer, die ein Höchstes Wesen anerkennen, aber Jesus Christus und seine Sendung nicht anerkennen;
2. jene, die nicht nur Jesus Christus nicht anerkennen wollen, sondern auch das Höchste Wesen beseitigen, indem sie etwas anderes an seine Stelle setzen – sie heißen Pantheisten;
3. jene, die Gleichheit und Brüderlichkeit bis zu ihren logischen Folgerungen treiben und so alle Autorität, menschliche wie göttliche, vernichten – sie sind die Sozialisten;
4. jene, die in Schenken auf den Augenblick lauern, da sie über die Reichen herfallen und ihre Raubgier sättigen können.
Andere seufzen auf Universitäten nach der Zeit, da sie mithelfen können, durch Aufrichtung der oben erwähnten Grundsätze des Unglaubens eine neue Ära einzuleiten. Andere, die tiefe Denker und abgefeimte Ränkeschmiede sind, haben sich in die verschiedenen öffentlichen Ämter eingeschlichen und beeinflussen als ständige Sekretäre oder Bürovorsteher die Minister oder bereiten jungen und eifrigen Regierungsbeamten Gesetzentwürfe vor, welche jenen Schritt zu ihren umstürzlerischen Zielen enthalten, dessen Durchsetzung man zu der Zeit für ratsam hält; sie fälschen Berichte und selbst Depeschen oder schreiben Artikel für die Zeitungen, stets mit demselben Ziele vor Augen.
Wieder andere sind Herren und Damen der vornehmen Welt, die sich in vergoldeten Salons bewegen und ihre Rolle spielen, indem sie Anspielungen fallen lassen; indem sie den guten Ruf eines ehrlichen Mannes durch Andeutungen wegreden; indem sie Minister mit den Banden der Liebe an sich ziehen; indem sie mit aufstrebenden jungen Männern spielen, um ihnen mit Geld auszuhelfen; indem sie irgendein schändliches Verbrechen ausspüren, um den adeligen oder beamteten Verbrecher zu versklaven, und so fort. Diese haben gelernt, ihre Werkzeuge zu gebrauchen: die Eitelkeit, den Stolz, die Eifersucht, die Torheit, den Ehrgeiz, die Habgier und die fleischlichen Leidenschaften anderer.
Wiederum gibt es andere, die alles leugnen, was nicht Sinnenwelt und Materie ist. Sie werden das Höchste Wesen, die Seele und alle Religion gänzlich los; dennoch begnügen sie sich damit, andere verächtlich bei ihren eigenen Meinungen zu lassen. Sie sind die Positivisten.
Wieder andere fügen dem Positivismus einen wütenden, wahnwitzigen Hass gegen das Christentum hinzu.
Alle diese Klassen von Menschen zielen auf die Vernichtung des Christentums. Als Napoleon I. in Italien war, waren die Befehle, Weisungen und Briefe, die er von der Regierung in Frankreich erhielt, voll brennender Aufreizungen, den Papst, die katholische Kirche und alle Religion zu vernichten. Als die Revolution in Rom (1849) die Oberhand gewonnen hatte, ereigneten sich die Metzeleien von San Callisto und die Orgien auf dem Kapitol, die Plünderung von Kirchen und die unzüchtigen Entweihungen der heiligen Gefäße; und Lästerungen gegen Christus wurden öffentlich ausgestoßen. Solche Taten enthüllten den Charakter der freimaurerischen Grundsätze und erfüllten Europa mit Entsetzen. (Siehe „Popular Errors“ [Volkstümliche Irrtümer] von Lord Montagu.)
aus: Michael Müller, CSsR, Die Feinde der Kirche S. 129 – S. 136 in: Gott, der Lehrer der Menschheit, 1880
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