Die Feinde der Kirche
Drittes Kapitel (Fortsetzung)
III. Der dritte Feind der Kirche: Die Freimaurerei
§ 11. Der freimaurerische Hammer
Die Freimaurerei, vom Staat unterstützt und bezahlt, bemächtigte sich nun der höheren Schulen und Universitäten. Dort lehrten die Professoren, Werkzeuge der Freimaurerei, kühn, ohne Maß und Hindernis, das Christentum sei nichts als kindischer Aberglaube; und sie impften diese abscheulichen Lehren jenen ein, die künftig Regierungsbeamte, Generäle, Professoren und selbst Mitglieder des Klerus werden sollten. Die Schulmeister ihrerseits lehrten diese schändlichen Trugschlüsse in den niederen Schulen und sogar in den Seminarien.
In Ländern, wo sie den Klerus nicht unterdrücken können, suchen sie den Einfluss des Klerus zu schmälern: durch Einziehung all seines Eigentums und seiner Einkünfte; durch Verminderung seiner Zahl und der Zahl seiner Studenten; durch Aufhebung der Ordenshäuser und Vertreibung der religiösen Orden; durch Besitzergreifung aller Wege der Erziehung, der Anstalten der Wohltätigkeit, der Verwaltung der Armenpflege, der Eheschließung, der Seelsorge in Regimentern und Gefängnissen; durch Häufung von Verleumdungen auf alle Geistlichen; und dadurch, dass sie Priester verleiten, patriotisch zu werden, das heißt Liebhaber ihres Vaterlandes in einem falschen Sinne, sodass sie, den Geist ihres Berufes verlierend, umso leichter in die Schlingen ihrer Gesellschaft fallen.
Um Katholiken leichter zu umgarnen, gründen sie gewisse Wohltätigkeitsvereine, deren Hauptleiter für praktizierende Katholiken gelten, in Wirklichkeit aber Lockvögel sind, um arglose Katholiken unter dem trügerischen Vorwand des Guten in die freimaurerischen Schlingen zu ziehen. Die Freimaurerei führt auch Mittel der Verderbnis ein und vermehrt die Reize dazu in Theatern, Balletten und Romanen, um die Menschen in schändliche Laster zu stürzen und sie so vom Empfang der Sakramente abzuhalten.
„Vae, vae tibi, ait Dominus Deus, et aedificasti tibi lupanar, et fecisti tibi prostibulum in cunctis plateis: ad omne caput viae aedificasti signum prostitutionis tuae: et abominabilem fecisti decorem tuum … et multiplicasti fornicationes tuas“ (Wehe, wehe dir, spricht der Herr, dass du dir auch ein Hurenhaus erbautest und dir ein Bordell in allen Gassen machtest. An jedem Kopfe des Weges hast du ein Zeichen deiner Hurerei errichtet und hast dich zum Gräuel gemacht und deine Unzucht vervielfältigt). (Ezech. 16, 23–25.)
Der nächste Schritt ist, die Erziehung der Kinder und der Jugend dem Klerus zu entziehen und ihnen in Staats- oder öffentlichen Schulen die Grundsätze des Unglaubens einzuflößen. Und was sind Kinder ohne Religion? Sind sie nicht das größte Unglück und der größte Fluch, der ihre Eltern treffen kann?
Die Geschichte berichtet uns, dass der Philosoph Dion dem Tyrannen Dionysius wegen seiner Grausamkeit einen scharfen Verweis erteilte. Dionysius fühlte sich schwer beleidigt und beschloss, sich an Dion zu rächen. So nahm er den Sohn Dions gefangen – nicht etwa, um ihn zu töten, sondern um ihn in die Hände eines gottlosen Lehrers zu geben. Nachdem der junge Mann lange genug unter diesem Lehrer gewesen war, um von ihm alles Schlechte und Gottlose zu lernen, schickte Dionysius ihn seinem Vater zurück.
Welchen Zweck verfolgte nun der Tyrann mit diesem Vorgehen? Er sah voraus, dass dieser verdorbene Sohn durch sein gottloses Betragen während seines ganzen Lebens seinem Vater beständigen Kummer und Schmerz bereiten würde, sodass er ihm eine lebenslange Heimsuchung und ein Fluch sein würde. Dies, dachte der Tyrann, sei die längste und größte Rache, die er an Dion dafür nehmen könne, dass er sein Betragen getadelt hatte.
In der Tat gibt es keinen Vater und keine Mutter, die nicht von der Wahrheit gründlich überzeugt wären, dass ein Kind ohne Religion die größte Heimsuchung ist, die Eltern treffen kann. Diese Wahrheit bedarf keiner Erläuterung. Diese Heimsuchung, dieser Fluch ist es, der durch die gottlose Erziehung über katholische Eltern kommen soll.
Ferner bedient sich die Freimaurerei der ungläubigen Presse, um ihre Lehren unter dem Volke zu verbreiten – Lehren, die darauf berechnet sind, Altar und Thron gleichermaßen zu untergraben; einen Vernichtungskrieg gegen jeden heiligen Grundsatz, gegen das Wohl und selbst das Dasein der Gesellschaft zu führen; unter dem Volke die schlimmste aller Religionen zu verbreiten – die Religionslosigkeit, die Religion, welche verhärteten Ehebrechern und Verbrechern am meisten gefällt, die Religion der unvernünftigen Tiere;
eine Religion der Zügellosigkeit, der Grausamkeit und des Lasters; die Ersetzung der ruhigen und erhebenden Einflüsse von Vernunft und Religion durch die Herrschaft der Leidenschaften; ein Geschlecht hervorzubringen ohne Glauben an Gott und Unsterblichkeit, frei von aller Rücksicht auf das Unsichtbare – ein Geschlecht, das dieses Leben als sein einziges Leben, diese Erde als seine einzige Heimat und die Förderung seiner irdischen Vorteile und Genüsse als sein einziges Ziel betrachtet;
ein Geschlecht, das Religion, Ehe, Familie und Privateigentum als die größten Feinde des irdischen Glückes ansieht; ein Geschlecht, das die Wissenschaft dieser Welt an die Stelle der Religion, die Gütergemeinschaft an die Stelle des Privateigentums, die Weibergemeinschaft an die Stelle der Familie setzt; mit anderen Worten, ein Geschlecht, das den Teufel an die Stelle Gottes, die Hölle an die Stelle des Himmels, Sünde und Laster an die Stelle von Tugend und Heiligkeit des Lebens setzt.
So wird das tödliche Miasma, das in der ganzen literarischen Atmosphäre schwebt, mit jedem Atemzuge eingesogen, verdirbt das innerste Lebensblut der Religion in Geist und Seele und lässt über jedem Leser „den Schleim der Schlange“ zurück. In der Tat gehören schlechte Zeitungen jetzt zu den größten Übeln der Welt.
Doch ist es die gebührende Züchtigung abtrünniger Nationen, dass sie von Zeitungen regiert werden statt von den Propheten und den Heiligen. Sie sind die einzigen Lehrer, die solche Nationen verdienen. In heidnischen Zeiten waren die Sophisten die „Kirche des Teufels“ gewesen; im wiederauflebenden Heidentum unserer Zeit sind es die ungläubigen Zeitungsschreiber, die ihre Stelle einnehmen.
Sinnlich und unverschämt, über alle Dinge urteilend, und mit Vorliebe über jene, von denen sie am wenigsten wissen, Spötter, denen Bescheidenheit und Ehrfurcht unbekannt sind, und erfüllt vom Geiste der Täuschung, nennen sie das Böse gut und das Gute böse, sagen die Wahrheit nur aus Versehen und lügen mit solcher Entschlossenheit, dass alle, die Gott und ihr Vaterland lieben, mit den Worten Sir Walter Scotts beinahe wünschen möchten, „die Schurken möchten in ihren eigenen Pressen zu Tode gequetscht werden“.
Welcher Ägypter aus dem ganzen Heere, das im Roten Meere ertrank, könnte hoffen, die Schreiber so vieler Zeitungen unserer Tage an Sinnlichkeit und Irreligiosität zu übertreffen? Wäre Pharao jetzt unter uns – wie er es in der Tat ist, nur dem unreinen Schweine ähnlicher als je –, er würde nicht um Ratgeber nach seinem Herzen verlegen sein. Ägypter oder Israelit, es ist solchen Blättern ganz gleich, die gern bereit sind, den Moses der katholischen Kirche zu schmähen, wenn Pharao nur bezahlt. Glückliche Leser, welche die „geistige Finsternis“ Pius’ IX. gegen die elektrische Beleuchtung ungläubiger Zeitungen eingetauscht haben!
Ohne Zweifel wird, wenn die Art von Propheten, die in solchen Blättern schreiben, bis an den Hals im Roten Meer steckt, ihr alter Wahn so stark über sie sein, dass sie bis zum letzten Atemzuge – wiewohl wir nicht dort sein werden, es zu hören – noch immer dieselben ägyptischen Schibboleth murmeln werden: „Geistliche Tyrannei“, „Geistige Finsternis“, „Kein Papsttum“, „Nieder mit der Kirche“ und „Pressfreiheit!“
Die Freimaurerei bedient sich auch der Kunst des Kupferstechers, um die Einrichtungen und Amtsträger der christlichen Religion zu karikieren, und anderer, um die gröbsten Formen des Lasters und die erschütterndsten Szenen von Verbrechen und Leiden darzustellen. Die illustrierte Presse ist für uns geworden, was das Amphitheater für die Römer war, als Männer erschlagen, Frauen geschändet und Christen den Löwen vorgeworfen wurden, um einen entarteten Pöbel zu ergötzen.
Wer waren die Anführer im Werke der Zerstörung und des massenhaften Gemetzels während der Schreckensherrschaft? Die Zöglinge von Lyzeen, in welchen die chaotischen Grundsätze der „Philosophen“ als Orakel der Wahrheit verkündet wurden. Wer sind jene unruhigen Revolutionäre, die sich stets danach sehnen, die Guillotine aufzurichten? Und wer sind jene geheimen Verschwörer und ihre Myrmidonen-Anhänger, die geschworen haben, Italien zu einigen oder in Trümmer zu legen? Männer, die gelehrt wurden, den Gedanken an einen Gott zu verhöhnen und über die Religion zu lästern, das Christentum als eine Sache der Vergangenheit anzusehen; Männer, die nachts in wilden Hirngespinsten schwelgen und tags ihre wahnwitzigen Träume zu verwirklichen suchen.
Die Freimaurerei bedient sich ferner der Männer wissenschaftlicher Bestrebungen, um die schlechtere Sache als die bessere erscheinen zu lassen. Der Chemiker hat in seinem Schmelztiegel niemals jenes unfassbare Etwas gefunden, das die Menschen Geist nennen; darum erklärt er es im Namen der Wissenschaft für einen Mythos. Der Anatom hat den menschlichen Körper zergliedert; da er aber auf die immaterielle Substanz – die Seele – nicht gestoßen ist, leugnet er ihr Dasein. Der Physiker hat die einander widerstreitenden Theorien seiner Vorgänger auf der Waage der Kritik gewogen und entscheidet endlich, dass die Körper nichts anderes seien als die zufällige Ansammlung von Atomen, und verwirft schon den Gedanken an einen Schöpfer.
Der Geologe sagt uns, nachdem er die Geheimnisse der Erde erforscht hat, triumphierend, er habe eine überwältigende Menge von Tatsachen gesammelt, um die biblische Weltentstehungslehre zu widerlegen und so die Autorität der inspirierten Urkunde umzustürzen. Der Astronom schmeichelt sich, natürliche und notwendige Gesetze entdeckt zu haben, welche die Notwendigkeit beseitigen, anzunehmen, dass eine göttliche Hand die Himmelskörper einst in den Raum geschleudert habe und sie noch in ihren Bahnen lenke. Der Ethnograph hat die Eigentümlichkeiten der Rassen studiert, ist auf sehr verschiedene Körperbildungen gestoßen und glaubt sich hinreichend berechtigt, die Einheit des Menschengeschlechtes zu leugnen. Sie schließen, dass nichts existiere als die Materie, dass Gott ein Mythus und die Seele „der Traum eines Traumes“ sei.
Solche teuflischen Lehren werden auch in öffentlichen Versammlungen ausgesprochen. Feuerbach zum Beispiel redete Arbeiter so an: „Der Mensch allein sei unser Oberer, unser Vater, unser Richter, unser Heiland, unser Vaterland, das Ziel unseres ganzen Seins und aller unserer Kräfte. Wollt ihr der bürgerlichen Gesellschaft einen dauerhaften Frieden sichern? Nun denn, so arbeitet vor allem an der Vereinfachung der Menschheit, die sich niemals vollbringen lässt, ohne dass man zuerst das Christentum loswird.“
Marr, das Haupt eines Klubs von Ungläubigen, berichtete: „Bald werde ich alle meine Zuhörer zu persönlichen Feinden Gottes gemacht haben.“ Baker sprach so: „Die Religion soll nicht nur aus der Erziehung verbannt werden, sie muss auch gänzlich aus dem menschlichen Geiste verbannt werden. Unserer Partei ist an der Gewissensfreiheit nichts gelegen; was sie will und zu haben entschlossen ist, das ist die Notwendigkeit, nichts zu glauben. Um unser Ziel zu erreichen, müssen wir alle Elemente der bestehenden Gesellschaft gänzlich umstürzen, um unsere eigenen Grundsätze aufzurichten.“
[Anm.: Die folgenden Aussprüche sind aus der englischen Wiedergabe des Verfassers übertragen, nicht nach den Originalquellen.]„Ein ehrlicher Mensch“, sagt Quinet, „kann sein eigener Gott sein.“ Terminier ruft aus: „Spinoza ist groß, weil er sich nicht scheut, sich zum Nebenbuhler Jesu Christi zu machen. Der Nazarener verkündete einen Mensch-Gott; der Holländer aber verkündete einen Gott-Welt.“
Matter lehrt, um die Ordnung wiederherzustellen, „müssen wir die Gemeinschaft des Bodens, die Gemeinschaft des Eigentums, die Gemeinschaft der Weiber einführen. Je mehr sich der Mensch von all dem Zeug befreit, das der Pöbel Religion nennt, desto mehr ehrt er das Höchste Wesen und wird ihm ähnlich.“ Die Lästerungen anderer Ungläubiger sind zu zahlreich und zu schändlich, um erwähnt zu werden.
In Deutschland hat man die christliche Ehe verworfen und an ihrer Stelle die Zivilehe eingeführt. In Dänemark hat man die christliche Taufe für unnötig erklärt. In anderen Ländern hat man den Eid abgeschafft; die begabtesten protestantischen Prediger, zum Beispiel Uhlrich Strauss, haben gegen das Gebet und die guten Werke gepredigt. In Berlin, dem Rom der Freimaurerei, sind „Priester“ für die geheimen Mysterien des Heidentums „geweiht“ worden.
aus: Michael Müller, CSsR, Die Feinde der Kirche S. 129 – S. 136 in: Gott, der Lehrer der Menschheit, 1880
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- FatherMuellerPic-1: wikimedia | Public Domain Mark 1.0



