Themenbereich der Website wahrerglaube.info – Beiträge von F. M. De Zulueta SJ

Briefe zur christlichen Lehre
(Erste Reihe)
Die zehn Gebote Gottes und die kirchlichen Gebote

Die Apokalypse des hl. Johannes des Evangelisten

Inhaltsverzeichnis

Einleitung: Über eine ausführlichere religiöse Unterweisung S. 1

ERSTER TEIL: Die Zehn Gebote Gottes

I. Allgemeiner Überblick über die Gebote 7

Das Erste Gebot

II. Die Anbetung Gottes 12

III. Der Glaube und seine Pflichten 21

IV. Die Pflichten des Glaubens gegenüber Nichtkatholiken 33

V. Sünden gegen den Glauben 49

VI. Die Hoffnung 57

VII. Die Liebe: Pflichten des Gottesdienstes, 1. Die Anbetung 64

VIII. Die Liebe: Pflichten des Gottesdienstes, 2. DasGebet 71

IX. Sünden gegen die Religion durch Übermaß: Abergläubische Bräuche 84

X. Sünden gegen die Religion durch Mangel: 1. Die Versuchung Gottes 100

XI. Sünden gegen die Religion durch Mangel: 2. Das Sakrileg 104

XII. Sünden gegen die Religion durch Mangel: 3. Die Simonie 117

Das Zweite Gebot

XIII. Gotteslästerung und eitler Gebrauch des Namens Gottes 120

XIV. Eide 129

XV. Gelübde 135

Das Dritte Gebot

XVI. Die Heiligung des Sonntags: 1. Die Heilige Messe 143

XVII. Die Heiligung des Sonntags: 2. Das Verbot knechtlicher Arbeit  157

Das Vierte Gebot

XVIII. Die Pflichten der Eltern 166

XIX. Die Pflichten der Kinder 181

XX. Die Pflichten gegenüber den geistlichen Hirten 193

Das Fünfte Gebot

XXI. Die Pflichten gegenüber dem menschlichen Leben 209

XXII. Die Pflichten gegenüber dem übernatürlichen Leben 227

Das Sechste und Neunte Gebot

XXIII. Die Pflichten gegenüber der Ehe, der Quelle des menschlichen Lebens 237

XXIV. Schutzmittel der heiligen Reinheit 249

Das Siebente und Zehnte Gebot

XXV. Die Pflichten gegenüber dem Gut des Nächsten 263

Das Achte Gebot

XXVI. Die Pflichten gegenüber dem guten Ruf des Nächsten: 1. Das vorschnelle Urteil 284

XXVII. Die Pflichten gegenüber dem guten Ruf des Nächsten: 2. Die Lüge 290

XXVIII. Die Pflichten gegenüber dem guten Ruf des Nächsten: 3. Ehrabschneidung und Verleumdung 300

ZWEITER TEIL: Die Gebote der Kirche

XXIX. Einleitung: Die Autorität der Kirche 320

Das Erste Kirchengebot

XXX. Die Beobachtung der gebotenen Feiertage 329

Das Zweite Kirchengebot

XXXI. Fasten und Abstinenz 332

Das Dritte und Vierte Kirchengebot

XXXII. Die jährliche Beichte und die österliche Kommunion 353

Das Sechste Kirchengebot

XXXIII. Die Bedingungen für die Eheschließung 365

ANHÄNGE

I. Ein Fastenbrief über die Gnade der Sakramente 371

II. Das Alter der Befreiung vom F asten bei Frauen 380

III. Das Neue Testament und die Ehescheidung 382

IV . Besondere Gelübde 408

Register … S. 415

Nihil Obstat.
ALEXANDER CHARNLEY, S.J.,
M. J. BIDWELL,
Censor Deputatus,

Imprimatur.
EDM. CAN. SURMONT,
Vicarius Generalis.
WESTMONASTERII,
Die 5 Decembris, 1910.

Einleitung: Über eine umfassendere religiöse Unterweisung

Diese Briefe über die christliche Lehre wollen die elementarere Unterweisung in katholischem Glauben und katholischer Sittenlehre ergänzen, wie sie der übliche, mit Erläuterungen versehene Katholische Katechismus bietet. In mancher Hinsicht sollen sie auch über den Umfang jener vortrefflichen Handbücher der Religionsunterweisung hinausgehen, in denen der Katechismus eine reichere Entfaltung findet. Dieses Vorhaben bedeutet offenkundig, dass die vorliegenden Briefe vornehmlich für jene bestimmt sind, die der Kindheit bereits entwachsen sind und entweder dem reifen Alter entgegengehen oder vielleicht schon in den ernsten Lebensberuf eingetreten sind.

Mangelhafte Kenntis

Nicht jeder erwachsene Katholik hat in früher Jugend eine so gründliche Unterweisung genossen, wie sie wünschenswert gewesen wäre. Es mag für sie noch vieles zu lernen übrig sein. Selbst bei jenen, die im Ganzen über die Ausübung ihrer Religion gut unterrichtet sind, können noch Lücken des Wissens zu füllen sein. Auch können langjährige Irrtümer in einzelnen Punkten fortbestehen, die durch öffentliche Unterweisungen und Predigten nie zufällig ausgeräumt wurden. Von jenen aber, die ihre religiöse Ausrüstung für vollständig cap-à-pie (von Kopf bis Fuß) halten, sobald sie ihre „Standards“ (Schulstufen) durchlaufen oder einige Jahre höherer Schulbildung hinter sich gebracht haben und die niemals Predigten besuchen, braucht kaum gesagt zu werden, dass ihr Wissen weit von der Vollständigkeit entfernt sein muss.

Gewiss könnten die Leute ihren Mangel beheben, indem sie sich an Priester und Beichtväter wenden. Doch eine Nachfrage setzt Zweifel oder wenigstens Bedenken voraus. Selbst die Bestgesinnten sind sich ihrer Mängel oft gar nicht bewusst. So geschieht es gewöhnlich, dass keine Fragen gestellt werden. Dadurch kann ihr Mangel dauerhaft und fest werden und sich auch auf andere ausbreiten, die von ihnen Licht und Führung erwarten. Wie dem auch sei, es scheint ein recht weites Feld von Kenntnissen zu geben, das den Katholiken im Allgemeinen mit Nutzen erschlossen werden kann, statt als privates Jagdrevier dem Beichtvater und dem berufsmäßigen Theologen vorbehalten zu bleiben.

Ist Unwissenheit ein Segen?

Das Ziel dieser Abhandlungen, wie es oben dargelegt wurde, mag manchen eine Schwierigkeit nahelegen. „Ist eine solche ausführlichere praktische Unterweisung überhaupt ratsam?“, mag man fragen. Ist es nicht besser, über Dinge wie die Gebote Gottes und die Gesetze der Kirche nicht allzu viel zu wissen? Denn ein umfassenderes Wissen vermehrt die Verantwortlichkeiten und hat die unbequeme Eigenschaft, die Freiheit des Handelns einzuschränken.

„Wo Unwissenheit ein Segen ist, ist es Torheit, weise zu sein.“ Aber ist Unwissenheit immer ein Segen? Das mag sein – das heißt, wenn sie keine negativen Folgen für den Unwissenden hat.

Oft ist ein Mensch glücklicher, wenn er nicht all die harte und lieblose Kritik kennt, die hinter seinem Rücken tobt. Aber er würde nicht als glücklich gelten, weil er nicht wusste, dass er in der Nähe einer höllischen Maschine stand, deren Lunte bereits brannte, noch weil er eine goldene Gelegenheit zu Reichtum nicht kannte. Kurz gesagt, wo Unwissenheit unser Wohlbefinden hier oder im Jenseits beeinträchtigt, kann sie rational nicht als Glückseligkeit gelten, außer jener Art, die die Seligkeit des Narrenparadieses ausmacht.

In anderen Wissensgebieten außerhalb der Religion, die der Selbstentwicklung und Vervollkommnung dienen, halten die Menschen Unwissenheit nicht für gleichbedeutend mit Seligkeit. Das zeigt sich deutlich im Bildungswesen. Das erörterte Sprichwort wäre für die gegenwärtige Zeit außerordentlich unpassend, da das Bemühen, immer reichere Bildungsmöglichkeiten zu schaffen, bis zu einem Grade getrieben wird, der vielen schon an Wahnsinn zu grenzen scheinen mag.

Auf welchem Prinzip beruht Bildung?

Darauf, dass das höhere Wohl des Menschen in der umfassenden Entfaltung und Erweiterung seiner Kräfte und Fähigkeiten liegt – ein Ziel, das durch die Vermittlung von mehr Wissen an den Verstand erreicht werden soll, um so ein verständigeres Handeln im Hinblick auf die verschiedenen Lebensziele zu fördern. Zudem zielt Bildung – abgesehen von der Sichtweise jener, die sie lediglich als Mittel zur schnelleren Anhäufung von Geld betrachten und ihren höchsten Zweck verkennen – darauf ab, die moralische Seite des Menschen zu bilden und seinen Willen so zu lenken, dass er in allen Lebensbereichen im Sinne rechten moralischen Verhaltens wirkt.

Nun ist die erste und wichtigste aller menschlichen Beziehungen zweifellos jene, die der Mensch zu Gott, dem Allmächtigen – dem Geber und Erhalter des Lebens – unterhält. Eine fundierte christliche Erziehung muss daher vor allem darauf ausgerichtet sein, den Menschen auf dem Pfad der religiösen Pflicht zu führen; je vollkommener ihr dies gelingt, desto vollkommener ist die Erziehung.

Doch wie soll der Mensch dieser seiner obersten Pflicht vollauf gerecht werden, wenn sein Geist nicht hinreichend über deren Erfordernisse unterwiesen ist? Er ist letztlich dazu bestimmt, Gott im Himmel auf übernatürliche Weise zu besitzen. Daher muss er sein Leben auf Gott ausrichten, indem er den göttlichen Willen erfüllt, der ihm durch die Lehre, die Gesetze und die Anordnungen der katholischen Kirche kundgetan wird. Des Weiteren muss das Ausmaß seiner ewigen Glückseligkeit im Besitz Gottes zwangsläufig von der Fülle seines Dienstes an Ihm auf Erden abhängen; und das Maß dieses Dienstes kann unter normalen Umständen nicht das Maß seiner Kenntnis der damit verbundenen Pflichten übersteigen.

Unkenntnis der göttlichen Gebote bedeutet daher das Gegenteil von Glückseligkeit. Sie bedeutet deren Verlust – wenn auch nicht dem Wesen, so doch dem Grad nach. Und selbst wenn es nur um Letzteres ginge, könnte niemand vernünftigerweise wünschen, sich einer umfassenderen religiösen Erkenntnis zu entziehen – auf welchem Wege und in welcher Form auch immer diese zu erlangen ist.

Ist Wissen gefährlich?

Der Einwand gegen eine vollständigere Unterweisung kann sich jedoch in etwas anderer Gestalt zeigen und in ganz anderem Geiste vorgebracht werden. Ein Geist, wie wir ihn eben betrachtet haben, der die Unkenntnis göttlicher oder kirchlicher Verordnungen vorzieht, um sich „Mühe zu sparen“, verrät eine gewisse religiöse Trägheit und Gleichgültigkeit.

Es gibt jedoch eine andere Art von Denken, das den Nutzen umfassenderer religiöser Kenntnisse aus Eifer für die Ehre Gottes bezweifelt. Eine vollkommenere Kenntnis der Pflichten – so lautet der Einwand – dürfte die Zahl der vorsätzlichen Sünden erhöhen, zumindest bei den weniger gut Gesinnten. Beseitigt man ihre Unwissenheit, so tauscht man lediglich den guten Glauben gegen den bösen aus, ohne der Sünde Einhalt zu gebieten; oder, um es fachsprachlich auszudrücken: Man verwandelt materielle Sünden in formelle Sünden, die Gott tatsächlich beleidigen und das Gewissen beflecken.

Nun lässt sich für diese Ansicht durchaus einiges anführen, sofern sie in angemessenen Grenzen bleibt. Doch – so scheint es dem Verfasser – beweist sie lediglich, wie wichtig Klugheit ist, wenn man einer breiten Öffentlichkeit umfassendere Kenntnisse über Recht und Unrecht vermittelt; denn der eine oder andere Teil der Bevölkerung – oder auch ein einzelner Mensch – könnte durch bestimmte Aspekte Schaden erleiden, sei es durch eine unkluge Anwendung auf den eigenen Fall oder weil er sich in einem Alter befindet, in dem ein solches Wissen noch verfrüht wäre.

Doch mit diesem Vorbehalt gebührender Zurückhaltung scheint das Argument des Missbrauchs, das dem Einwand zugrunde liegt, zu viel zu beweisen. Es spräche ebenso dafür, die Menschen von jenen elementaren Fertigkeiten, den „drei R“ (Lesen, Schreiben, Rechnen), auszuschließen. Denn diese können missbraucht werden, und leider werden sie es in sehr weitem Maße, zu schlechter Lektüre, zu schädlichem Schrifttum und zu jenen zahllosen Betrügereien im Handel, die durch geschicktes Jonglieren mit Zahlen vollbracht werden. Sie alle sind des Missbrauchs fähig (was wäre es nicht, selbst die heiligen Sakramente Christi eingeschlossen?). Die klügste Vorgehensweise dürfte folgende sein:

Man treffe gewiss alle möglichen Vorkehrungen gegen Missverständnisse, verkünde den Menschen aber Gottes einfache Wahrheit und vertraue auf deren innewohnende Kraft sowie auf die göttliche Gnade, um ein gutes Ergebnis zu erzielen.

Wenn hier und da eine vollständigere Kenntnis der Einzelheiten der christlichen Pflicht die unglückliche Wirkung haben sollte, ein Gewissen in bösen Glauben zu versetzen, ohne das Böse zu verhindern, so wird in anderen Fällen die Erkenntnis die Sünde vermindern, indem sie ein irriges Gewissen zurechtbringt. Im schlimmsten Fall mag sich die Sache als ein Nullsummenspiel erweisen.

Doch im besten Fall – und diesen erwarten wir eher – wird eine umfassendere Wahrheit hinsichtlich der meisten Pflichtbereiche weit mehr Gutes als Schades bewirken, da es sich um Gottes Wahrheit handelt. Wenn weise und umsichtige Autoren keine Gefahr für den Glauben darin sehen, den Gläubigen die Grundzüge des katholischen Dogmas darzulegen – wobei ein etwaiger geistlicher Schaden von weitaus ernsterer und tiefgreifenderer Art wäre –, so gibt es keinen triftigen Grund, dem Laien einen tieferen Einblick in die katholische Morallehre zu verwehren aus Sorge, seine Moral könnte Schaden nehmen.

Quelle: Briefe zur christlichen Lehre (Erste Reihe) Die zehn Gebote Gottes und die kirchlichen Gebote, 1914, S. 1 – S. 6

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Bildquellen

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