Erklärung der Gebete und Zeremonien der heiligen Messe
Erklärung der Messe – Epistel und Evangelium
Kollekte – Epistel – Graduale – Alleluja – Traktus – Sequenz – Evangelium
Nachdem das Gloria beendet, küsst der Priester den Altar und spricht nach dem Volk gewendet: Dominus vobiscum, der Herr sei mit euch. Schon einmal hat er dieselben Worte, aber nur an die Ministranten gerichtet. Damals stand er am Fuß des Altars, und so war das mehr ein Scheidegruß. Er schien sich von dem Volk, das eben noch mit ihm und für ihn gebetet, nicht trennen zu können, ohne in dem Augenblick, wo er sich anschickte, in die Wolke einzutreten, ein liebevolles Wort an es gerichtet zu haben.
Hier wendet die heilige Kirche dieselben Worte in anderer Absicht an. Sie will gewissermaßen die Aufmerksamkeit erwecken, weil der Priester sich eben anschickt, die Kollekte zu beten. Es ist ein Gebet, welches die Bitten aller Anwesenden gleichsam zusammenliest und sie Gott darbringt. Darum heißt es eben Kollekte von dem lateinischen Wort colligere, zusammenlesen, einsammeln. Die Kollekte ist sehr wichtig, und die heilige Kirche verlangt, dass man sie mit Ehrfurcht und in ernster Sammlung anhöre. In vielen Klöstern gilt die Vorschrift, dass man sich tief verbeugt, während der Priester sie betet; in den Kapiteln hören sie die Kanoniker, indem sie sich gegen den Altar wenden. –
Zuletzt sagt der Chor: Amen; d. h.: ja, das ist es, was wir erflehen, und wir sind mit allem einverstanden, was eben gesagt wurde. Dieses erste Gebet der Messe findet sich im Offizium der Vesper, der Laudes und bei dem Mönchsoffizium auch bei der Matutin. Im römischen Offizium findet sich dasselbe in der Matutin nicht, ausgenommen bei der Mitternachtsmesse zu Weihnachten. Es findet sich nicht in der Prim, weil dies Offizium erst später eingeführt worden ist, und ebenso wenig in der Komplet, die man nur als ein Abendgebet auffassen soll, und deren liturgische Form erst vom heiligen Benedikt fixiert worden ist.
In der Terz, Sext und Non findet man es aber wieder, das alles beweist die ungemeine Wichtigkeit, welche die heilige Kirche diesem Gebet beilegt. Es prägt gleichsam dem Tag seinen Charakter auf. Es kann darum auch nicht auffallen, wenn die Kirche dieses Gebet mit den Worten Dominus vobiscum einleitet. Sie will damit dem Volk sagen: Gebt jetzt wohl Acht; was jetzt folgt, ist von der höchsten Wichtigkeit.
Des weiteren kehrt sich der Priester in diesem Augenblick nach dem Volk um; das hat er damals, als er am Fuß des Altars stand, nicht getan. Er fühlt sich jetzt sicherer, und nachdem er durch den Altarkuss in Frieden mit dem Herrn getreten ist, verkündet er denselben allen Gegenwärtigen, indem er sie gleichsam in seine ausgebreiteten Arme zusammenfasst, und spricht: Dominus vobiscum. Das Volk antwortet ihm: Et cum Spiritu tuo, Und mit deinem Geist.“ Bei dieser Antwort fühlt sich der Priester mit dem Volk eins und spricht alsbald: „Oremus, lasset uns beten“.
Prälaten sagen an Stelle des Dominus vobiscum, die Worte Pax vobis, Friede sei mit euch. Dieser Gebrauch ist schon sehr alt. So lautete der gewöhnliche Gruß bei den Juden, und außerdem erinnert derselbe an die Worte des Gloria: Pax hominibus bonae voluntatis, Friede den Menschen, die eines guten Willen sind. In den ersten Jahrhunderten scheinen alle Priester sich der Worte Pax vobis bedient zu haben.
In ähnlicher Weise verhält es sich mit mehreren bischöflichen Zeremonien. So legt man dem Prälaten das Manipel erst dann an, wenn er die Stufen des Altars hinaufsteigt.
Früher war das Gleiche bei allen Priestern der Fall. Später hat man es für einfacher gefunden, das Manipel schon in der Sakristei anzulegen; und dieser neue Gebrauch hat den alten so sehr verdrängt, dass der letztere nur noch für die Prälaten vorbehalten wurde. –
Da aber das Pax vobis außerdem eine Erinnerung an das Gloria war, so folgt daraus, dass man in einer Messe, welche kein Gloria hat, auch nicht pax vobis sagt. In solchen Messen wird überall das Pax vobis durch ein Dominus vobiscum ersetzt.
Der Priester hält, während er die Kollekte betet, die Arme ausgebreitet. Er beobachtet darin die alte Gebetsweise der ersten Christen. Das Vorbild derselben ist Christus, wie er am Kreuz mit ausgebreiteten Armen betete; ebenso streckten auch die ersten Christen die Arme aus, wenn sie sich betend an Gott wendeten.
Diesen Gebrauch der ersten Christen ersehen wir ganz besonders aus den Malereien der Katakomben, welche das Gebet stets in dieser Weise darstellen. Man hat deshalb diesen Bildern den Namen Orantes, die Betenden, gegeben. So, wie auch in den Schriften der Väter, sind viele Einzelheiten aus den ersten Jahrhunderten auf uns gekommen, die uns sonst unwiederbringlich verloren gewesen wären.
Im Orient ist dieser Gebrauch noch allgemein üblich; im Okzident ist er selten geworden, und nur für besondere Fälle vorbehalten. Der Priester allein betet auf diese Weise; denn er stellt Christum vor, welcher, während er am Kreuz hing, ein höchst wirksames Gebet an Gott, seinem Vater, richtete.
Epistel
Nach der Kollekte und den anderen Gebeten, die man unter dem Namen Commemorationen derselben anhängt, kommt die Epistel. Sie trägt diesen Namen, weil sie in der Regel eine Stelle aus den Apostelbriefen enthält; aber zuweilen wird auch eine andere Schriftstelle für die Epistel gewählt. Ursprünglich war es in der Kirche keineswegs Gebrauch, nur eine Epistel zu lesen; aber der heutige Gebrauch ist doch schon mindestens tausend Jahre alt. In den ersten Jahrhunderten las man zuerst eine Stelle aus dem alten Testament, und dann erst kam eine Stelle aus den Schriften der Apostel.
Jetzt wird nur eine Epistel in der Messe gelesen, ausgenommen zu den Quatemberzeiten und an gewissen Tagen in der Woche. Der Gebrauch, Lektionen aus dem alten Testament vor der Epistel zu lesen, kam in Wegfall, als man das heute noch übliche Missale zusammenstellte. Dasselbe enthält jetzt alles, was in der Messe vorkommt, sowohl das, was der Priester sagt, sowie auch das, was der Chor sagt. Das nannte man das Missale plenarium, das vollständige Missale; später hieß es einfach das „Missale“. Das frühere Missale, das man als Sacramentarium bezeichnet, enthielt nur die Orationen, die Präfationen und den Canon. Für das übrige hatte man noch das Antiphonarium, die Bibel und das Evangeliarum.
Wir haben bei diesem Wechsel unleugbar verloren. Denn früher hatte jede Messe ihre eigene Präfation, jetzt sind wir auf nur wenige Präfationen reduziert. Ganz ähnlich verhielt es sich mit dem Offizium. Man hatte in den ersten Zeiten noch kein Brevier; und so bedurfte man des Psalters, des Hymnariums, der Bibel des Passionales, aus welchem die Akten der Heiligen gelesen wurden, und des Homiliariums, welches die Ansprachen (Homilien) der Väter enthielt.
Lange Zeit hindurch genoss der erste Adventssonntag das Privilegium, in seiner Messe zwei Episteln zu haben. Schließlich bekam er auch nur eine. Das Offizium dieses Sonntags wurde übrigens mit großer Sorgfalt bearbeitet, und in ihm finden wir treuer als in den meisten Offizien die Bräuche des christlichen Altertums bewahrt. Obwohl Semiduplex sagt man an diesem Sonntag niemals die Suffragia; das beobachtet man übrigens bis Epiphanie. Diese Suffragia reichen nicht weiter hinauf als bis ins elfte Jahrhundert. Vorher kannte man sie nicht.
So schreitet alles in wohlbemessener Ordnung im heiligen Messopfer vor. Der Priester hat zuerst das göttliche Erbarmen angefleht und den Gebeten der Anwesenden Ausdruck verliehen. Die heilige Kirche hat durch seinen Mund gesprochen. Bald werden wir nun das Wort des Meisters im Evangelium hören. Aber die heilige Kirche will uns durch das Wort des Dieners darauf vorbereiten; wir werden deshalb zuerst die Epistel vornehmen; und so gelangen wir von den Propheten zu den Aposteln und dann zu dem Herrn selbst.
Graduale
Zwischen der Epistel und dem Evangelium wird das Graduale gesungen. Es besteht aus einem Responsorium und seinem Versikel. Ehedem wurde das ganze Responsorium vor und nach dem Versikel gesungen, in derselben Form, die heute noch für die kurzen Responsorien üblich ist; aber es lag stets eine reiche Melodie darin. Überhaupt ist das Graduale der musikalischste Teil des Offiziums, und damit derselbe in seiner ganzen Reinheit zur Geltung komme, hat man nie mehr als zwei Sänger mit der Ausführung desselben betraut. Sie begaben sich zu diesem Behuf zum sogenannten Ambo, einem in dem Schiff der Kirche erhöhten Platz, für die Lektoren und Sänger, aus welchem sich später die Kanzel entwickelte.
Das Graduale trägt seinen Namen gerade daher, weil die Sänger die zum Ambo führenden Stufen hinaufsteigen mussten; dasselbe ist auch bei den Psalmen der Fall, welche die Juden angen, indem sie die Tempelstufen erstiegen, und welche aus diesem Grunde Gradualpsalmen genannt wurden.
Alleluja – Traktus
Dem Graduale folgt das Alleluja oder der Traktus, je nach der Zeit, in welcher man sich befindet. Das Alleluja wird wie die Responsorien wiederholt, und kommt ein Versikel, wonach man nochmals das Alleluja spricht. Dieser vorzugsweise Lobgesang Gottes musste ebenfalls seine Stelle in der heiligen Messe haben. Er hat etwas so freudiges, und dann wieder etwas so geheimnisvolles, dass er in den Bußzeiten, d. h. vom Septuagesima bis Ostern nicht angestimmt wird.
An seine Stelle tritt dann der Traktus. Es verstreicht nämlich immer einige Zeit, bis die Lesung des Evangeliums beginnt. Der Diakon fordert und empfängt den Segen des Priesters und begibt sich darauf in Prozession nach dem Ambo, für das Evangelium, um das Wort Gottes zu verkünden. Um diese Zeit nun in geeigneter Weise auszufüllen, dazu dient der Traktus. Er besteht zuweilen aus einem vollständigen oder doch fast vollständigen Psalm, wie z. B. am ersten Fastensonntag. Meistens sind es aber nur einige Verse, die eine sehr charakteristische Melodie haben. Wiederholt wird dabei nichts, es geht alles in einem Zuge, und darum hat man diesen Teil der heiligen Messe mit dem Wort tractus, Zug bezeichnet.
Sequenz
An einigen Festtagen fügt man dem Alleluja oder Traktus das bei, was man Sequenz, Sequentia, nennt. Dieser Gebrauch kam wohl nach dem heiligen Gregor, gegen das neunte Jahrhundert auf. Das Wort Sequentia bedeutet Fortsetzung, und ursprünglich war es auch die Fortsetzung des Alleluja. Denn die Sequenz bildete den Text zu den Noten, die noch nach dem Wort Alleluja kamen. Der Name für diese Noten bestand schon längst, ehe man die Sequenz erfand.
Man nennt dieselbe auch Prose, Prosa, weil sie ursprünglich weder den metrischen Hymnen, deren Vorbilder man schon bei den Alten findet, glich, noch auch Rhythmen mit regelmäßigen Kadenzen, wie dieselben später aufkamen, hatte. Es ist eigentlich ein Stück Prosa, das man einfach, wie gesagt, sang, um Worte für die weiter noch vorhandenen Noten des Alleluja zu haben. Allmählich näherte sich jedoch die Form den Hymnen. So diente die Sequenz, die Feierlichkeit des Gottesdienstes zu erhöhen, und während man sie sang, läuteten die Glocken und die Orgel erscholl. Bald gab es Sequenzen für alle Festtage, selbst für die Adventssonntage. –
Bei der Verbesserung des römischen Missale, unter dem heiligen Pius V., wurden jedoch nur vier beibehalten, nämlich: Victimae Paschali, die älteste, und das Muster für die ganze Prose, das Veni sancte Spiritus, das Lauda Sion und das Dies irae. Später kam noch das Stabat mater hinzu. Das Mönchs-Missale der Benediktiner hat noch das Laeta dies für das Fest des heiligen Benedikt, das aus dem sechszehnten Jahrhundert stammt.
Evangelium
Während dieser verschiedenen Gesänge nimmt der Diakon das Evangelienbuch und legt es auf den Altar. Der Altar ist ein Bild Christi; und so sagt diese Handlung, dass das Wort Gottes, welches sich im Evangelium vernehmen lässt, mit unserem Herrn Jesus Christus identisch sei. Der Priester inzensiert das Buch nicht; aber zum mindesten hat er, was der Diakon nicht tun darf, den Weihrauch benediziert. Wenn dies geschehen, so kniet der Diakon auf der höchsten Stufe des Altars nieder und betet das „Munda cor meum, Reinige mein Herz“; er bittet in diesem Gebet Gott, sein Herz und seine Lippen zu reinigen, damit er würdig das heilige Evangelium verkünden könne.
In diesem Gebet wird auch der glühenden Kohle gedacht, womit ein Seraph die Lippen des Propheten Isaias berührte, um ihn zu reinigen und würdig zu machen, dass er die ihm vom Heiligen Geist eingegebenen Dinge offenbaren könne.
Bei der stillen Messe spricht der Priester dies Gebet. Nach Vollendung desselben nimmt der Diakon das Buch von dem Altar, kniet vor dem Priester nieder und bittet um den Segen desselben mit den Worten: „Jube, domine, benedicere, wolle, Herr, mich segnen“. Bei der stillen Messe bittet der Priester mit denselben Worten Gott um seinen Segen; und er antwortet sich selbst mit den nämlichen Segnungsworten, abgesehen von den Änderungen welche durch die handelnden Person bedingt sind. Während er dem Diakon sagt: „der Herr sei in deinem Herzen“, sagt er bei der stillen Messe zu sich: „der Herr sei in meinem Herzen“. Aber abgesehen von diesen Änderungen sind die Worte der Segnung dieselben.
Nachdem der Diakon die Segnung erhalten, küsst er die Hand des Priesters, welcher dieselbe auf das Evangelienbuch gelegt. Es hat so den Anschein, als ob er dem Diakon das Evangelium überreiche mit dem Auftrag, es in seinem Namen zu verkünden. Nunmehr begibt sich die ganze Assistenz des Priesters nach dem Evangelienpult, und der Diakon beginnt mit dem großen Wort: „Dominus vobiscum, der Herr sei mit Euch“. Dieses ist das einzige Mal, dass es dem Diakon gestattet ist, das Volk in dieser Weise zu begrüßen.
Er scheint dasselbe auf das Kommende vorbereiten und ihm sagen zu wollen: Ihr hört jetzt das Wort Gottes, das ewige Wort. Das ist für euch alle eine große Gnade, der Herr sei darum mit euch; er erleuchte und ernähre euch mit seinem Wort. Das Volk antwortet ihm durch den Wunsch: „Et cum spiritu tuo, und mit deinem Geiste“ (sei der Herr). Darauf sagt der Diakon den Titel dessen, was er lesen will. Er verkündet das dem Volk mit den Worten: „Initium oder Sequentia sancti Evangelii, Anfang oder Fortsetzung des heiligen Evangeliums“, woran sich denn der Name des Evangelisten schließt.
Dabei bezeichnet er die Stelle im Buch, woselbst die Lesung beginnt, mit dem Zeichen des heiligen Kreuzes, und dann bezeichnet er sich ebenfalls mit dem Kreuzeszeichen auf Stirn, Mund und Brust. Er erfleht durch das Kreuz, die Quelle aller Gnaden, dass er das Evangelium stets in seinem Herzen und auf seinen Lippen habe; das Zeichen auf der Stirn bedeutet, dass er das offen bekennen und sich dessen niemals schämen werde.
Er nimmt dann das Rauchfass und inzensiert zu drei Malen das Evangelienbuch. Das Volk antwortet unterdessen auf die Ankündigung dessen, was es gehört hat, indem es unseren Herrn Jesus Christus preist: „Gloria tibi, Domine, Ruhm sei dir, o Herr!“
Endlich ist der Augenblick da, das heilige Evangelium zu verkünden. Der Diakon faltet zu diesem Behuf die Hände. Er legt sie nicht auf das Buch; das würde auf eine allzu große Vertraulichkeit hindeuten; denn es darf nie außer Acht gelassen werden, dass dieses Buch den Ausdruck des ewigen Wortes umschließt. Wenn die Lesung zu Ende, dann nimmt der Subdiakon das Buch und bringt es dem Priester zum Kuss. Der Diakon aber, der im Namen des Priesters eben das Evangelium gelesen, wendet sich wieder zu ihm, wie einer, der seinen Auftrag erfüllt hat. Er nimmt das Rauchfass und inzensiert den Priester, welchem in diesem Augenblick allein diese Ehre zuteil wird.
Indem derselbe das Buch küsst, spricht er: „Per evangelica dicta deleantur nostra delicta, durch die Worte des Evangeliums mögen unsere Sünden getilgt werden.“ In dieser Formel, welche man ehedem auch als Segnung bei der Matutin anwendete, finden wir eine Art Reim, was auf mittelalterlichen Ursprung deutet. Der Priester, welcher Messe liest, ohne von Diakonen verbeistandet zu sein, stellt beim Evangelium das Buch so, dass er sich ein wenig nach Norden kehrt. Der Diakon wendet sich übrigens auch nach dieser Himmelsgegend, solange er das Evangelium vorträgt. Das hängt mit dem Wort des Propheten Jeremias (Jer. 1, 14) zusammen: „Von Mitternacht her wird sich das Unglück über alle Bewohner des Landes ausbreiten.“
Aus demselben Grund stellt man auch bei der Taufe der Erwachsenen den Täufling so, dass er nach Norden schaut, wenn er dem Teufel widersagt. Der Ambo für die Epistel stand links. Der Gebrauch des Ambo war früher in größeren Kirchen allgemein. Heute sieht man solche nur noch in der Kirche des heiligen Clemens zu Rom, zu Sanct Laurentius extra muros und in einigen anderen Kirchen. Auf den Ambo stellte man auch die Osterkerze, während der vierzig Tage von Ostern bis Christi Himmelfahrt.
Wir müssen hier auch noch auf die Verschiedenheit hinweisen, welche zwischen der Lesung der Epistel und der Lesung des Evangeliums besteht. Bei der Epistel lässt die Kirche nur einfach die Stelle ankündigen, welche gelesen wird; das Evangelium wird stets durch die Worte Dominus vobiscum eingeläutet. In der Epistel spricht nämlich nur der Diener, im Evangelium hört man das Wort des Herrn selbst; es gebührt sich darum, die Aufmerksamkeit der Gläubigen zu erwecken.
Am Ende des von dem Priester gelesenen Evangeliums antwortet man: „Laus tibi, Christe! Lob sei dir, o Christus!“, weil ehedem der Zelebrant, der nichts las, was gesungen wurde, das Evangelium einfach hörte. Bei den Totenmessen verlangt der Diakon nicht den Segen des Priesters vor dem Evangelium. Da das nämlich eine reine Ehrenzeremonie ist, so enthält man sich derselben zum Zeichen des Kummers und der Betrübnis. Man bringt auch keine Kerzen zum Ambo, und wenn der Diakon zurückkehrt, so küsst der Priester nicht das Buch. Auch der Diakon küsst nicht die Hand des Priesters, nachdem er das Buch vom Altar genommen.
aus: Dom Prosper Guéranger OSB, Erklärung der Gebete und Zeremonien der heiligen Messe, 1884, S. 27 – S. 43
Anhang
Das Ordinarium der Messe – Kollekte – Epistel – Graduale – Evangelium
Die Kollekte enthält in präziser Form die besondere Absicht der Kirche bei Darbringung dieses Messopfers. Man schließt sich diesem Gebet an, indem man in das Amen des Ministranten einstimmt.
Damit liest der Priester die Epistel, gewöhnlich ein Bruchstück aus den Apostelbriefen; manchmal auch eine Stelle aus dem alten Testament.
Das Graduale ist ein Zwischenglied zwischen der Epistel und dem Evangelium. In der Regel ist es eine Wiederholung der bereits im Introitus ausgedrückten Gefühle. Ihm folgt je nach der Zeit im Kirchenjahr das Alleluja oder der Traktus.
Das Evangelium ist das geschriebene Wort. Seine Lesung bereitet uns auf die Ankunft des göttlichen Wortes, unseres Opfers und unserer Speise vor.
Um sich auf ein besseres Verständnis des Evangeliums vorzubereiten, betet man mit dem Priester.
Munda cor meum et labia mea, omnipotens Deus, qui labia Isaiae prophetae calculo mundasti ignito, ita me tua grata miseratione dignare mundare, ut sanctum evangelium tuum digne valeam nuntiare: per Christum, Dominum nostrum. Amen.
Jujube, Domine, benedicere.
Dominus sit in corde meo et in labiis meis, ut digne et competenter annuntiem evangelium suum. Amen.
Allmächtiger Gott, der du einst die Lippen des Propheten Isaias gereinigt hast mit einer glühenden Kohle, reinige mein Herz und meine Lippen, und wolle mich durch deine liebliche Erbarmnis so rein machen, dass ich dein heiliges Evangelium würdig zu verkünden vermöge: durch Christus, unseren Herrn. Amen.
Segne mich, o Herr!
Der Herr sei in meinem Herzen und auf meinen Lippen, damit ich würdig und geziemend sein Evangelium verkünde. Amen.
Man hört das Evangelium mit Ehrfurcht stehend an. Man bezeichnet sich mit dem Zeichen des Kreuzes und spricht mit dem Messdiener:
Gloria tibi, Domine! – Lob sei dir, o Herr!
Am Ende des Evangeliums antwortet man wieder mit dem Messdiener:
Laus tibi, Christe! – Lob sei dir, Christe!
Der Priester betet hierauf das Glaubensbekenntnis.
aus: Dom Prosper Guéranger, ebd., S. 261 – S. 262
Siehe das Inhaltsverzeichnis der Erklärung der hl. Messe:
Siehe auch den Beitrag von P. De Zulueta:
Siehe auch den Beitrag auf katholischglauben.info:
Bildquellen
- dom-prosper-gueranger: © https://wahrerglaube.info



